Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 422 (sequence 16)
- Language
- German
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422 DJ0 ־Vorlesungen Harnacks über das *Wesen des Christentliums. grössten Theil dieselben, welche die moderne Kritik zur Annahme nachträglicher Uoberarheitungen der Geschichte Jesu veranlasst haben. Die jüdischen Gelehrten hatten sich auf den Nachweis zu beschränken, dass diese Stellen auch anders gedeutet werden können und sich nicht nothwendig auf Jesus beziehen müssen. Den stärksten, den gerade vor Augen liegenden Beweis durften sie nicht anführen. Er hätte gelautet: Ihr behauptet, dass die verschiedenartigsten Dinge, von denen unsere Propheten gesprochen haben, darunter solche, die sich gar nicht auf den Messias beziehen, und andere, die nur Nebensächliches und sachlich Gleichgiltiges betreffen, im Leben Jesu■ werwirklicht seien, und gehet an dem Besten und Wesentlichen achtlos vorüber. Als die Wirkungen des erschienenen Messias sind uns Recht und Liebe, Frieden und Eintracht, Glück und Seligkeit unter den Mensehen verkündigt, ist verheissen (Jes. 11, 9); ״nicht mehr wird man Böses thun, nicht mehr verderblich handeln auf meinem ganzen heiligen Berge. Denn voll wird sein die Erde von Erkenntniss des Ewigen, wie Wasser das Meer bedeckt“. Wo können wir solche Wirkungen in eurem Yerhalten uns gegenüber, wie auch nur unter euch selbst schaueu? Wahrnehmungen und Empfindungen dieser Art nahmen auch dem stärksten Beweise, der gegen das Judenthum in’s Feld geführt wurde, dem Hinweise auf den siegreichen Gang und die überwältigende Macht des Christentliums gegenüber den in Zerstreuung, Abhängigkeit und Schwäche lebenden Juden, jede überzeugende Kraft, so sehr man sich auch bemühte, ihn nicht nur mit Schriftstellen (1 B. M. 495 10) zu belegen, sondern ihn auch den Juden in fühlbarster Weise zum Bewusstsein zu bringen. Nur eine verhältnissmässig kleine Minderheit folgte dem auf sie ausgeübten Drucke. Die grosse Mehrheit gehorchte nur ihrer innern Ueberzeugung, dem fester! Glauben an die Wahrheit ihrer;Religion, so sehr auch die äussere Welt ihn als eine Thorheit ansah und wie eine Schuld mit schweren Leiden, Kränkuogen und Verfolgungen bestrafte. 10; Jes. 61, 1 ff vgl. Lucas 4, 17 ff; Hosea 11,1 vgl. Matth. 2,15; Hosea 6, 2 vgl. Matth. 16, 21. . 27, 63; Jona 2, 1 vgl. Matth. 12, 40; Micha 5, 1. vgl. Matth. 2, 5 f; Sacharja 9, 9 vgl. Matth. 21, 5 u. Joh, 12, 15; Sacharja 11, 11—14 vgl. Matth. 26, 15. 27, 9. Apgsch. 1, 18—21; Maleachi 3, 1. 23 vgl. Marcus 1, 1. Matth. 11, 10; Daniel 7, 13 vgl. Matth. 26, 64; Psalm 2, 7 vgl. Lucas 3, 38. Matth. 3, 17. 17, 5; Psalm 16, 8—11 vgl. Apgsch. 2, 25 ff; Ps.22 vgl. Matth. 27, 35. 43.46; Psalm 110 vgl. Matth. 22, 41— 46.