Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 421 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnacks über das׳Wesen des Cliristentliums. 42t.. Gegenständen der eigenen Liebe und Verehrung gegenüber als vorhanden an. Weil das Abendmahl den Mittelpunkfc des christlichen Cultus bildete, weil man glaubte,., den Leib und das Blut Christi leibhaftig darin zu gemessen, weil man ihm die höchste geheimnissvolle Bedeutung zuschrieb und seine Wirksamkeit durch eine Reihe von Wundererzählungen bekräftigt sah: darum vermeinte man, dass die Juden, die Feinde Christi, ihm einen teuflichen Hass widmeten, mit schweren Opfern sich Hostien verschafften, diese mit Nadeln durchstachen und so den Leib Jesu nochmal8 marterten und zerfleischten. Solche Erzählungen wurden mehrfach aufgebracht mit dem Hinzufügen, aus der zerstochenen Hostie hätte sich Blut ergossen und das Bild eines Kindes sei auf ihr erschienen. Diese Legenden, wie die Fabel, dass die Juden aus Hass gegen die Christen jährlich ein Kind schlachteten, um dessen Blut mit ihrem Passabrote zu gemessen, wurden der Ausgangspunkt für langwierige gerichtliche Untersuchungen und Verurtheilungen, wie für grosse Yolksaufstände und deren Verwüstungen. Es haben die Abendmahlsstreitigkeiten auch innerhalb der Christenheit selbst mehrfach zu blutigen Kriegen geführt. Doch die Kämpfer stritten und litten für Glaubenssätze, die ihnen heilig waren. Aber die Juden waren nicht nur schuld-, sondern auch ahn ungslos e Opfer der gegen sie gerichteten Wahnvorstellung. Die Wenigsten wussten überhaupt etwas von Hostien und den Gluubensanschauungen über das Abendmahl. Und die,, die etwas davon wussten, besassen, wie jedem Unbefangenen einleuchten muss, nicht den selbstmörderischen Wahnsinn, zur Befriedigung des ihnen zugeschriebenen kindischen Hasses die schlimmsten Gefahren über sieb und den weiten Kreis ihrer Glaubensgenossen heranfzubeschwören. Bei den Religionsdisputationen, zu denen die Juden nicht selten, insbesondere in Spanien, genöthigt wurden,, drehten sich die Verhandlungen in der Regel darum, dass die, Christen behaupteten, das Alte Testament selbst bezeuge zweifellos die Messianität Jesu, wie . die Wahrheit der Christlieben Religion, und nur hartnäckige Verstocktheit und Bosheit hinderten die Juden an ihrer Anerkennung. Die Schriftstellen, auf die man sich dabei berief1;, wären zum 1j I B, M. 1, 26. Jesaias 7, 14 vgl. Matth.'■1, 18 ff; Lucas 1,. 26 ff. Jes. 11, 10. 42 1 ff vgl. Matth. 12, 18-21; Jes. 52, 13 u. cap. 53 vgl. Matth. 8, 17. üv. Joli. 1, 29 u. Apostelgesch. 8, 34. Jes. 60, 6 vgl. Matth. 2,