Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 416 (sequence 10)
- Language
- German
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416 Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christeiithums. Ein solcher Gedankenkreis führte leicht zu der Vor- Stellung״, dass die Ueberwindung der bösen Dämonen, welche die Krankheit und die Sünde bringen, nur von einem höheren, mit göttlicher Kraft begabten Wesen erfolgen könnef das, selber sündlos, Andern ihre Sünden zu vergeben vermöge, and das die prophetischen Verkündigungen von einem Messias verwirklichen werde. Und der Eindruck einer machtvollen Persönlichkeit, insbesondere aber die Bethätigung wunderbar erscheinender Kräfte, erzeugte zuerst die Ahnung,, sodann den immer stärker werdenden Glauben, dass in ihr ein solcher Berufener, ein Messias erschienen sei1). Iiarnack sagt mit Recht (S. 18) ״wir sehen, dass ein fester Wille und ein überzeugter Glaube einwirken auch auf das leibliche Leben und Erscheinungen hervorrufen, die uns wie Wunder anmuten2״). Als ein Wunderthäter (77apccS6E,0)v spYcov 7׳uot7)v71^) erscheint Jesus in dem von Th. fteinach raeisterhaft restituirfcen Berichte des Josephus3). Und auch Wellhausen sagt4), allerdings bedauernd und die Berichte dieser ersten Quellen als ״einseitig und dürftig״ bezeichnend; ״in den drei ersten Evangelien erscheint er als Thaumaturg.״ Auf seine Wunderthaten beruft sich Jesus der Frage Johannis,, des Täufers, gegenüber^ ob er der sei, der kommen soll5). Und am Schlüsse des Marcusevangeliums, in dem Berichte über das Erscheinen des vom Tode Auferstandenen heisst es6) ״die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die : in meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Tötliclies trinken, wird es ihnen nicht schaden, auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden.״ Der Glaube an seine Wunderthaten hat nicht zujny Wenigsten Jesus eine grosse Zahl von, Anhängern gebracht^ die Erklärung.seines Messiasthums sodann den Tod. Was Harnack von dieser Erklärung sagt (S. 60). ״der Entschluss und seine Ausführung sind uns dunkel״ das gilt auch von der Verurtheilung Jesu. Allen Berichten zufolge,. 1) Vergl. Matth. 12, 23 ff. 2I Aehnlich Graetz a. a. 0. S. 313. 3) Ant. XVIII 3, 3. Revue d. dt. juives XXXV 7. u. 10. ף Isr. u. Jftd. Gesch. 1894 S. 317. 6) Matth. 11, 2 ff. 1!) 16. 14 ff.