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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-09-01 · Heft 9-10 (September 1902) · p. Seite 415

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 9-10 (September 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-09-01
Page
Seite 415 (sequence 9)
Language
German
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Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. 415 als ein Kampf mit dem Satan ־und als Ueberwindung des ״Fürsten dieser Welt44 gefasst. Nicht dem Boden des Judenthums sind solche Vor- Stellungen entwachsen. Es kennt kein Reich des Teufels, ih m ist Gott allein der Mächtige. Gegenüberden persischen Vorstellungen von einem Gotte des Guten und von einem Gotte des Bösen heisst es bei Jesaias (45, 6 f) : ״Wissen «oll man im Osten und Westen, dass nichts ist ausser mir, ich der Herr, keiner sonst, bilde das Licht und schaffe die Finsternis, stifte den Frieden und schaffe das Böse, ich, der Ewige, thue dies alles.44 Und selbst der lutherische Theologe Franz D elitzs ch, erklärtes als beachtenswerth,dass der ״Satan in den kanonischen Schriften des Alten Testaments nicht öfter als dreimal erwähnt wird44 (und auch dort nur als ein Bote im Dienste Gottes) ״während uns in den neutestamentliehen Schriften seine Benennung mit mannigfaltigen Namen auf. Schritt und Tritt begegnet441). Auch in den Berichten über die j irdisch en Schrif tgelehrten des neutestamentalische n Zei tal ters tritt der Dämonenglaube nur selten und vereinzelt 1ms entgegen2). Wohl aber hatte er ein weites Gebiet in den untern Volkskreisen3), sowie in der unter fremden Einflüssen, nach den Einen persischen, nach Andern ägyptischen und hellenischen, stehenden Sekte der Essäer4), Diesen hatte Johannes der Täufer angehört, und mehrere ihrer Lehren und Sitten, wie die Scheu vor dem Eide, die Werthschätzung der freiwilligen Armutli und der Ehelosigkeit, treten uns auch in den Aus- Sprüchen Jesu entgegen5), wie auch dessen erste Jünger gleich den Essäern in Gütergemeinschaft lebten. Aus ihrer asketisehen Lebensweise, ihrem Versenken in stille Beschaulichkeit, ihrer Pflege geheimnisvoller Lehren ging eine Richtung der Seele hervor, die mit Vorliebe in der Welt der Geister, der guten, wie der bösen, sich bewegte und ebenso in ztiversichtlichen Verkündigungen der Zukunft sich äusserte, wie sie in wunderbaren Heilungen sich bethätigte6). י) Riehm, Handwörterbuch des bibl. Alterth., S. 1376. ־) Vgl. Joel, der Aberglaube 1ז. die Stellung des Jud. zu dems. Brest. 1881. I, 55 ff. 3) Schürer III3, 294 f. 4) das. 572 ff. 5) Jos. Bell. Jud. II S, 2. 3. Matth. 6, 24 ff; 19, 10 ff. Vgl. Grätz III4 S. 277—288 ff. ej Bell. Jud. II 8, 6. 11. 12. Antt, XV 10, 5 Vgl. Graetz III‘ S. 296 ff.

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