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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-09-01 · Heft 9-10 (September 1902) · p. Seite 412

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 9-10 (September 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-09-01
Page
Seite 412 (sequence 6)
Language
German
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412 Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Cbristentlinms. Einer in der Heidenkirche die Bedeutung Jesu sich dadurch klar gemacht hat, dass er ihn als ״Messias“ fasste. Bei der Darlegung der verschiedenen Fassungen des Begriffes Messias setzt sich Harnack, über die wichtigsten Berichte und Quellen hinweg. Er bespricht die damaligen Messiasvorstellungen der Juden, als ob die alten Verkündigungen1 *) nicht existirten. Und er schöpft aus keiner Quelle, sondern nur aus seinen eigenen Vorstellungen, wenn er über die von Jesus folgen dermassen sich äussert (S. 87): ״Dass es eine göttliche Kraft und Herrlichkeit gibt, die keiner irdischen Macht und keines irdischen Glanzes bedarf, ja sie ausschliesst, dass es eine Majestät des Heiligen und der Liebe gibt, die diejenigen, welche sie ergreift, rettet und beseligt — das hat der gewusst, der sich trotz seiner Niedrigkeit den Messias genannt hat, und das müssen die empfunden haben, die ihn als den von Gott gesalbten König Israels anerkannten״. Es ist reiiie Willkür, bei der Darlegung geschichtlicher Verhältnisse und Glaubensstreitigkeiten die unmittelbaren Aussagen der betheiligten Parteien als nicht vorhanden anzusehen. Die Berichte der Evangelien über diesen Gegenstand*} lauten so bestimmt und klar, dass sie als vollkommen zuverlässig betrachtet werden müssen. Im Anschlüsse an . die Frage der Schriftgelehrten nach dem höchsten Gebote, richtet Jesusan sie die Frage : ״was dünket euch von dem Messias P wessen Sohn ist er? Sie sprachen Davids. Er sprach zu ihnen : Wie kann ihn denn David im Geiste einen H e rr n nennen, da er sagt (Psalm 110, 1), der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis dass ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füsse? So ihn nun David einen Herrn nennt, wie soll er sein Sohn sein״? Die eigenartige Deutung des Psalmes soll nur beweisen, was ihm im Geiste feststeht3). Und Frage, wie Antwort, stellen den Gegensatz der Auffassung des Messias Seitens der Schriftgelehrten und Jesu unverkennbar dar. Nach jenen, ist er ein Mensch, ein Sprössling Davids, nach diesem ein höheres Wesen, der »So hm Gottes“, wie bei Lucas (20, 9 ff) im Gleichnisse vom Weinberg weiter ausgeführt wird. Den gleichen Gegensatz finden wir in der Erzählung1), in der Jesus einem Gelähmten seine Sünden *) Jesaias 2, 1—4; 11. 1—10; 42, 1—8. V Matth. 22, 41 ff; Marc. 12, 34 ff; Lueas 20, 41 ff. 3) Vgl. Dalman, ״die Worte Jesu“ I, 233 ff. Lpzg. 1898.

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