Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-09-01 · Heft 9-10 (September 1902) · p. Seite 411

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 9-10 (September 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-09-01
Page
Seite 411 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829760-2829766-2884173--31566-2884213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. 411 selig, der zuerst auf die Frage: ״wer sagt denn ihr, dass ich sei“, erwidert, ״du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes״, erklärt diese Antwort als eine Offenbarung Gottes, und Petrus als den, auf dem er seine Gemeinde aufbauen werde, und dem er die Schlüssel des Himmelreichs übergeben wolle1). Diese Behauptung der Meseianität mit allen,, gerade im N. T. hervortretenden Ansprüchen auf eine erhabene, übermenschliche Stellung, auf eine göttliche Wirksamkeit, auf Anbetung und Verehrung lässt sich schwer in das Bild des idealen Lehrers und Menschen auf nehmen, das Harnack von Jesus entworfen hat. Wellhausen hat deshalb bezweifelt, dass Jesus sieh selbst als Messias bezeichnet habe. Dem kann sich Harnack nicht anschliessen. Er findet, ״dass man die evangelischen Berichte aus den Angeln heben muss, um das Gewünschte zu erreichen“ (S. 82). Aber auch er vermag jene Behauptung in keiner Weise zu erklären, weder durch geschichtliche Thatsachen, noch durch eine psychologische Begründung hegreiflichzu machen. Er sieht in der Er- Wartung eines persönlichen Messias den Ausdruck der Erkenntnis ״dass das Heil der Geschichte in den Personen liegt״ (S. 89). Aber gerade auf dem religiösen Gebiete haben zahlreiche bedeutende Menschen ohne hervorragende äussere Stellung im Leben und ohne einen Heiligenschein nach dem Tode einzig durch die Macht ihrer Persönlichkeit und die Kraft ihres Wortes und ihrer Thaten tiefgehende Wirklingen ge- Wonnen und die von ihnen ausgestreuten Saaten selbst in die Herzen späterer Geschlechter eingesenkt. Ebenso ist Harnacks Behauptung durch die Thatsachen widerlegt, dass der Begriff ״Messias״, die schlechthin notwendige Voraus- Setzung war, ״damit der innerlich Berufene innerhalb der jüdischen Religionsgeschichte, — der tiefsten und reifsten, die ein Volk erlebt hat, ja, wie die Zukunft zeigen sollte, der eigentlichen Religionsgeschichte der Menschheit, — die absolute Anerkennung zu gewinnen vermochte״. Auch dieser Erklärung muss die Tbatsache entgegengehalten werden, dass Jesus eine absolute Anerkennung nicht gefunden hat, dass insbesondere die geistigen Führer seiner eigenen Religionsgemeinschaft sie ihm versagt haben, und dass andererseits, wie Harnack selbst darlegt (S. 40), kaum ף Matth“ 16. 13—20. Monatsschrift, 46. Jahrgang. 26

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.