Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 410 (sequence 4)
- Language
- German
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410 Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Chrishtentums. ein Gottesreich, dass alle Sterblichen anrufen Deinen Namen, sich Dir zuwenden alle Frevler auf Erden, erkennen und einsehen alle Bewohner der Welt, dass Dir sich beugen müsse jedes Knie, schwören jede Zunge. Vor Dir, Ewiger, unser Gott, weiden sie hinknien und niederfallen, der Herrlichkeit Deines Namens ihre "Verehrung darbringen und alle das Joch deiner Herrschaft auf sich nehmen. Mögest Du bald für immer über sie herrschen, denn Dein ist das Reich und in alle Ewigkeit hin wirst Du in Herrlichkeit regieren, wie in deiner Lehre geschrieben steht : Der Ewige wird regieren immer und ewig. Und ferner heisst es: Einst wird der Ewige König sein über die ganze Erde, an jenem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig״. Die von Harnack Jesus als ihmeigentümlich zugescbriebene Lehre, dass man vom Gottesreich nicht sagen könne: ״siehe, hier oder da ist es, denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch ״ hat Jesus bezeichnender weise als Antwort den Pharisäern auf ihre Frage, wann kommt das Reich Gottes? gegeben1). Und schon Lightfoot2) deutet sie nach Anführung mehrerer rabbinischer Stellen in dem Sinne ״euere eigenen Schulen lehren ja, dass das Gottesreich im Menschen selbst sein solle.“ Seinen Jüngern aber verkündete Jesus unmittelbar darauf (Das. Y. 22 ff.), dass er eines Tages verschwinden, dann wieder erscheinen und über die Menschen Gericht halten werde. Den Glauben an ihn selbst und das erst durch ihn kommende, aber bald zu erwartende Gottesreich verkündet er mit aller Kraft und Entschiedenheit. Um deswillen spricht er: ״Wer Yater oder Mutter mehr liebt, denn mich, der ist meiner nicht werth. Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt, als mich, der ist meiner nicht wert!!״. Weil Johannes, der Täufer, den er selbst als seinen Yorläufer, seinen Elia, bezeichnet, nicht voll an ihn geglaubt, sondem gefragt hat ״bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ spricht er: ״Unter denen, die von Weibern geboren sind, ist kein Grösserer erstanden, als Johannes der Täufer; aber der Kleinste im Himmelreich ist grösser, als er3״)■ Dagegen preist er Simon, genannt Petrus, ג) Lucas 17, 20 ff. 2) Horae hebraicae, Lipsiae 1684 zu Matth. 3, 2. S. 215. 3) Matth. 10, 37; 11, 2 ff. 16, 27 ff.