Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 409 (sequence 3)
- Language
- German
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Die "Verlesungen Harnachs über ׳das Wesen des Christentkums. 409 es, dass du sprechest: wer zieht für uns jenseits des Meeres und.holet es uns und verkündiget es uns, dass wir esthun? Sondern sehr nahe ist dir das Wo r t, in deinem M-u n d e u n d in deinem Herzen es zu erfüllen״ .(1״Suchet den Ewigen, da er sich finden lässt, rufet ihn, dieweil e r nahe i s t. Es verlasse der Frevler seinen Weg, der MaDn des Unrechts seine Gedanken und kehre zum Ewigen zurück, er wird sich seiner erbarmen, und zu unserem Gotte, denn er verzeiht viel2״). Die Psalmen sind von solchen Gedanken durchzogen. Die Schriftgelehrten gestalteten sie sodann zu festen Begriffen. So entstand das Wort יראת שמים ״die Ehrfurcht vor dem Himmel״, oder Gott, das nicht eine äussere Furcht, sondern die ganze Innigkeit des Gottesglaubens und der religiösen Empfindung bezeichnet. So entstand das .Wort ״ מלכות שמיםHimmelreich״ das im Evangelium Matth, sich findet, wo Marcus und Lucas von einem ״Gottesreich״ sprechen. Es tritt uns erstmals im jüdischen Schirftthum3) in Yerbindung mit dem Gebote der Li ehe zu Gott entzogen. Sich zu dem Gebote (5. B. M. 6, 4—9) ״du sollst lieben den Ewigon, deinen Gott, von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Gemüthe״ bekennes, heisst in einem kühnen Bilde ״ קבלת עול מלכות שמיםdas Joch des Himmelreiches auf sich nehmen״. Dem Worte ״Gottesreichמלכות ״ שדי begegnen wir zum ersten Male in der wahrscheinlieh auf Rabh, einen der ersten Lehrer des babylonischen Talmud zurückgehenden Mussaf-Tefiila für den Heujahrstag4), ebenso wie auch seinem Gegensätze. Dies ist aber nicht, wie im N. T.5) der Teufel und sein Reich der Welt, sondern ממשלת זדון ״die Herrschaft des Frevels״. Und das kommende Gotfcesreich wird in dem mit ,על כן נקוד beginnenden und später in das tägliche Gebet aufgenommenen Stücke in folgenden Worten gezeichnet: ״Darum hoffen wir zu Dir, Ewiger, unser Gott, dass wir bald schauen die Verherrlichung deiner Macht, dass Du wegräumst die Gräuel von der Erde und die Götzen vertilgt werden, dass Du einrichtest die Welt als 9 5. B. M. 30, 11—14. 2) Jes. 55, 6 ff. 3) ßerachot 2, 2. 4) Zunz, Gottpsdienstl. Tortr. 886, 2. 6) Matth. 13, 39 ff. Joh. 12, 31. 14, 30. 16, 11.