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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-09-01 · Heft 9-10 (September 1902) · p. Seite 408

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 9-10 (September 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-09-01
Page
Seite 408 (sequence 2)
Language
German
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408 Die Vorlesungen Harnaaks über das Wesen des Chiistenthums. und Sieg stehen in dramatischer Schärfe und in grossen, sicheren Zügen vor seiner Seele, in jenen Zügen, in denen sie die Propheten geschaut hatten. Am Schlüsse dos Dramas sieht er sich selbst zur Rechten seines Vaters und seine zwölf Jünger auf Thronen sitzen und richten die zwölf Stämme Israels; so anschaulich, so ganz in den Vorstellungen seiner Zeit stand das Alles vor ihm. Man kann nun so verfahren — und nicht Wenige unter uns verfahren so — dass sie diese dramatischen Bilder mit ihren harten Farben und Kontrasten für die Hauptsache erklären und für die Grundform der Verkündigung Jesu, der alle übrigen Aussagen einfach unterzuordnen seien; massgebend sei allein die dramatische Ziikunftserwarfcung״. Harnack schliesst sich dieser Meinung nicht an, er sagt (S. 35): ״Darüber kann kein Zweifel sein, jene Vorstellung von den zwei Reichen, dem Gottesreich und dein Teufelsreich, von ihren Kämpfen und von dem zukünftigen letzten Kampf, in welchem der Teufel, nachdem er längst aus dem Himmel ausgewiesen, nun auch auf der Erde besiegt wird — diese Vorstellung theilte Jesus einfach mit seinen Zeitgenossen, Er hat sie nicht herbeigeführt, sondern er ist in ihr grossgeworden und hat sie beibehalten. Die andere Anschauung aber, dass das Reich Gottes nicht ״mit äusserlichen Gebärden kommt, dass es schon da ist, sie war sein wirkliches Eigenthum. Das Reich Gottes kommt, indem es zu den ein*• zelnen kommt, Einzug in ihre Seelen hält, und sie es ergreifen. Das Reich Gottes ist Gotfcesherrschaft, gewiss — aber es ist die Herrschaft des heiligen Gottes in den einzelnen Herzen, es ist Gott selbst mit seiner KraftV Aber gerade die von Harnack Jesus als Eigentum zugeschriebene Anschauung ist bereits an vielen Steiler! des A, T; ausgesprochen. Verzeichnen wir nur folgende: ״Ihr werdet suchen von dort aas den Ewigen, deinen Gott, und da wirst ihn find en, w e מ n du ihn s u c h s t m i t deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele״ .(1״Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist nichts Wunderbares für dich und nichts Fernes. Es ist nicht im Himmel, dass du sprechest, wer steiget für uns in den Himmel hinauf und holet es uns und verkündigt es uns, dass wir es thun? Und nicht jenseits des Meeres ist J) 5. B. M. 4, 29; vgl. auch Jerein. 29, 12 und Bl, BB.

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