Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 403 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. 403 Zu I. Nach der Annahme sämmtlicher Geschichteforscher der Neuzeit liegt zwischen der völligen Aus- Schliessung der Samaritaner seitens Nehemia's und der Erbauung ihres Gerisim-Tempels ein grösserer Zeitraum als zwischen dem Auftreten Serubabels und demjenigen Nehemia’s. Letzterer beträgt kaum 100, und nicht 150 Jahre, wie Marquard meint, — doch das ist Nebensache. Allein wie findet es Marquard begreiflich, dass die Samaritaner, selbst nachdem sie völlig ausgestossen und von Jerusalem durch die Stadtmauer fern gehalten waren, noch so lange ohne Tempel geblieben seien? Denn in dieser ganzen letzteren Zeit war ja jede Hoffnung auf eine Betheiligung an Jerusalem und an seinem Tempel völlig ausgeschlossen. Ferner: Aus dem ganzen Jahrhundert zwischen dem Auftreten Serubabels und demjenigen Nehemia’s sind es kaum fünf Jahre, von denen sich urkundlich behaupten lässt, dass die Samaritaner damals Ursache gehabt hätten, sich einen Concurrenz-Tempel zu bauen. Es sind dies die paar Jahre des Tempelbaues unter Darius Hystaspis. Sonst lag während des ganzen Jahrhunderts für die Samaritaner gar kein Anlass dazu vor. "Während der etwa 18 Jahre zwischen der ersten und der zweiten Grundsteinlegung, hatten die Samaritaner ihr Ziel erreicht. Da lag der Tempel brach. Aus der Zeit zwischen der Einweihung des Tempels im sechsten Jahre des Darius Hystaspis und der Ankunft Esra’s — einem Zeitraum von ca. 60 Jahren — haben wir zwar gar keinen Bericht, erführen aber aus Esra’s Memoiren, dass in den oberen Schichten des Volkes alle einflussreichen Familien mit den Samaritanern in Verwandtschaft und Schwägerschaft gelebt haben. Diese intimen und freundschaftlichen Verhältnisse sind zweifellos doch nicht erst im letzten Jahrzehnt vor der Ankunft Esra’s entstanden. Jüdische Paschas in Jerusalem sind aus der ganzen Zeit zwischen Serubabel und Nehemia nicht bekannt. Viele Geschichtsforscher nehmen sogar an, dass Jerusalem während dieser Zeit unter dem Statthalter von Samaria gestanden habe. Esra sties bei seinem Auftreten gegen die Mischehen bekanntlich auf grossen Widerstand auch bei den Juden selber, und sein scheinbarer Erfolg war jedenfalls doch nur ein momentaner. Denn Nelt. hatte 13 Jahre später genau so wie er gegen unzählige Mischehen zu kämpfen. Auch Esrars bescheidene oder auch gezwungene Zurückhaltung bis zum Auftreten Nehemiars be-