Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 356 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Geschichte des Achtzehngebets► die .Erlaubnis erfcheilt hatte1), vereitelten. ״In der Zerstörung des Tempels erblickte man von christlicher Seite ein Zeugnis, dass es Gottes Wille gewesen sei, den an den Tempel gebundenen Opferdienst und mit ihm das ganze Ceremonialgesetz aufhören zu lassen, nachdem an die Stelle des Tempelebenstes der Opfertod . Jesu getreten sei. Dieses Zeugnis wollte man sich nicht entreissen lassen. Es lag den Christen daran, wie Yolkmar sich ausdrückt, dass das Wort der Evangelisten in Kraft bleibe, Jerusalem solle zertreten bleiben bis zur Erfüllung der Zeiten4‘2). Nach dieser Agitation war man in dem nationalgesinnten Krei3e des Syahedriums entschlossen, sich von den Christen ernstlich zu scheiden. Darum wurde auch in das Gebet die Bitte eingeschoben, Gott möge die Yerläumdungen der Minäer wirkungslos machen und ihnen selbst einen schnellen Untergang bereiten. Gegen diese inhaltlich einvvandsfreie BeweisführuDg wird das chronologische Bedenken geltend gemacht werden, dass R. Gamliel die Zeit der Zurückziehung der durch Trajan ertheilten Erlaubniss zum Tempelbau in keinem Ealle erlebt hat, und dass der Patriarch darum nicht durch die ungeheure Erregung, die jener Vorfall hervorrief, zu seiner Massregel veranlasst worden sein kann. Allein die Hoffnung auf eine Wiederherstellung des Tempels war nicht erst durch Trajan geweckt worden, soodern hatte vielmehr nie geruht. Titus hatte denselben gegen seinen Willen zerstört und soll vertrauten Judäern das Versprechen gegeben haben, ihn in gelegener Zeit wiederherzustellen. Unter den Juden lebte der heisse Wunsch oder die fromme Zuversicht, dass gar bald das HeiLigthum wiederhergestellt werden müsse, מהרה יבנה בית המקדש; wer weiss, ob während der Anwesenheit der Tannaiten in Rom, ob gelegentlich des Regierungsantritts des Kaisers Nerva nicht ernste Verhandlungen darüber gepflogen worden waren. Auf christlicher Seite hingegen musste alles geschehen, um den Tempel in Trümmern zu erhalten. Schon der Verfasser des Hebräerbriefes zeigte eine deutliche tempelfeind־ liehe Tendenz. Das Schlimmste aber auf diesem Gebiete leistete der Barnabasbrief, der, unter der unmittelbaren Befürchtung einer Wiederherstellung des Tempels entstanden, in einer zersetzenden Gnosis alles Gesetzliche und Nationale im Judenthum auflöste und eindringlich lehrte, dass der Tempel in *) Joel a. a. 0. S. 24. 2) Guttmann a. a. 0. S. 343.