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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1902) · p. Seite 355

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1902)
Article
Geschichte des Achtzehngebets
Date
1902-07-01
Page
Seite 355 (sequence 26)
Language
German
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Geschichte des Achtzehngebets. 355 Versuch darstellt, das Judenthum gegen das überhand nehmende Christentum abzugrenzen. Juden und Judenchristen unterschieden sich in der Art der Religionsübung durchaus nicht von einander, lebten vielmehr in enger Gemeinschaft und in regem Verkehr mit einander1), worin natürlich mit der Zeit eine ernste Gefahr für das Judenthum lag. Denn einerseits wurden die Judenchristen von den Römern verfolgt, und diejenigen, welche mit ihnen in Yerkehr standen, gerieten ebenfalls in den Verdacht staatsfeindlicher Tendenzen2). Andererseits machten die Judenchristen Bekehrungsversuche und wollten aus Schriftstellen die Wahrheit ihrer Lehre vom Messias beweisen. Die Taniiaim mussten sich auf Disputationen mit ihnen einlassen und sie widerlegen. R. Gamiiel selbst hatte wiederholt unter ihren Fragen zu leiden, und in der Todtenklage um R. Josua klingt in erster Reihe der Schmerz Um den Verlust des wackeren Apologeten durch3). Wenn es den geistvollen und wissensreichen Schuihäuptern ein Leichtes war, den vermeintlichen Beweisen der Christen schlagende Argumente entgegenzu9tellen, so konnte doch in ihren Lehrhäuserh mancher junge Schüler, durch die schönen Reden der Gegner verlockt, zürn Abfall veranlasst werden. Zu diesen mehr privaten Belästigungen kam als unmittelbare Veranlassung zur Gegenwehr die feindliche Steilung der Christen gegen die jüdische Gemeinscha ft. An sehr vielen Stellen, an denen die Minim erwähnt werden, sind sie mit Delatoren4) in Verbindung gebracht; das weist deutlich darauf hin, dass sie bei den römischen Behörden die Rolle von Angebern spielten und als Denuncianten gegen die jüdische Gesammtheit auftraten5). Joel hat mit grossem Scharfsinn nachgewiesen, dass die Verleumdungen der Minim sich gerade gegen die Bestrebungen um Herbeiführung der Uatiönalen Wiedergeburt der jüdischen Gemeinschaft richteten, dass sie den neuen Tempelbau, für welchen Kaiser Trajan bereits ג) Darum musste befürchtet werden, dass die Betenden und Vorbetenden eventuell Judenchristen waren, daher so oft חייישינן שמא מיי הוא (Ber. 29, vgl. Meg. 24b, j. Ber. V4, f. 9 c). 2) Ygl. z. B. B. Elieser in Tosefta Chullin 11,-24. 3) Ygl. die Stellen in he־Chaluz VII, 81 ff. 4j So Minim והמסורות Bosch ha־Schanah, 18 a (Tos. Sanh. XIII. S. ölam r. c. 3). *) Ygl. .Toel, Bliche I, 33 ff. und Guttm^nn in der Monatsschrift 1898, S. 344: in diesen Schriften sind auch die einschlägigen Stellen citiert.

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