Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1902) · p. Seite 345

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1902)
Article
Geschichte des Achtzehngebets
Date
1902-07-01
Page
Seite 345 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829760-2829765-2884040--31478-2884112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Geschichte des Achtzehngehets. 345 mütigen Dulder und Kämpfer gebräuchlich waren; פליטת סופרים, eine in jener Zeit für die pharisäischen Gelehrten übliche Benennung1), und כרי הצדק d. h. die zahlreichen Proselyten, die kurz darauf dem Judenthum zuströmten, dem neuen Glauben und der Beobachtung seiner Gebote Treue bewahrten, wurden bald mit in dieses Gebet eingeschlossen. Diese drei neuen Benedictionen traten ebenfalls hinter diejenigen Stücke, die Anliegen des Einzelnen betreffen, doch vor die Bitte für Jerusalem, da sie allgemeineren Inhalts waren als diese. Eine andere Bewandtniss hat es mit TS 1\ 7 ראה נענינו, der Bitte um Erlösung. Sie hat die widersprechendsten Erklärungen hervorgerufen und scheint allen ohne Ausnahme Trotz zu bieten. Ihre Schwierigkeit beruht auf ihrem Inhalt und auf ihrer Stellung. Um Erlösung von schwerem Elend wird darin gebetet, aus dem der Mensch unmöglich sich selbst befreien kann, vielmehr muss er Gott anflehen, den Streit für ihn zu führen. Demnach scheint das Stück in einer Zeit schweren weltlichen Druckes eingefügt zu sein; darum hat Zuns es allein in der Zeit des Antiochus entstanden und in die Mitte der damaligen Tefilla eingeschaltet wissen wollen2). Dann bleibt es auffallend, dass die Bitten um das Wohl des Einzelnen so unterbrochen wurden; auch sind, wie wir eben gezeigt haben, die übrigen nationalen Benedictionen nicht jünger als die unsere. Darum empfahl es sich, zur alten Erklärung Raschi’s (Megilla 17 b) zurückzukehren und darin die Bitte des Unterdrückten zu sehen, der, in ständiger TSot befindlich, zu schwach ist, sich selbst gegen die Welt voller Tücke zu vertheidigen, und darum Gott die Vertretung seiner Sache überlässt, eine Erklärung, die L 0 e b3) wieder aufgenommea hat. Doch die Eulogie גאל ישראל lässt sich dann nur recht gezwungen erklären. Das hat wohl Luzzatto4) gefühlt, als er zu einer Erläuterung seine Zuflucht nahm, die eine nationale Angelegenheit, jedoch nur soweit sie die Einzelnen persönlich betrifft, als Gegenstand unserer Benediction ansieht, nämlich die Erlösung der Einzelnen aus Haft und Gefangenschaft. Wie in Psalm 107, zunächst von den im Gefängnis Schmachtenden die Rede ist (ישבי חשך וצלמות v. 10), wie als Ursache der Gefangenschaft die Sündhaftig- 0 Vgl. על פליטת סופריא in Meg. Taanit XII u. Jer. Taan. 1113 (66 a). 2) G. V. S. 880. 3) EEJ XIX, S. 21 u. 29. 4) Einleitung zum Machsor nach italien. Eitus, S. 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.