Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 344 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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344 Geschichte des Achtzehngebets. begreift sich die Bitte, die Glieder und die Kräfte des Volkes aus allen Weltgegenden zu sammeln und zurückzuführen auf den geheiligten Boden Palästinas. War in dieser Bitte ein Theil der messianischen Hoffnun gen zum Ausdruck gekommen, so schloss sich in השיבה שופטנו eine zweite Benediction messianischen Inhalts an. Dieselbe kann sich in ihrer ursprünglichen Fassung keineswegs auf die Wiederherstellung eigener Gerichtsbarkeit bezogen oder eine stille Anklage gegen die herrschende Gerichtsordnung enthalten haben. Keine weltliche Behörde, weder die hasmonäischen noch die herodianisclien Fürsten, hätten derartiges geduldet, noch würden die Börner, wenn man in dem Gebet eine Anspielung auf die den Judäern entzogene Gerichtsbarkeit über Tod und Leben erblicken will, eine solche Bitte gestattet haben1). Das Stück hatte auch ursprünglich einen anderen Inhalt als heute, der vom Talmud als Bitte um ein Strafgericht an den Frevlern gekennzeichnet wird2) und in dem kurzen Gebet הביננו noch immer ähnlich lautet3). Eine politische Anspielung ist darin nicht enthalten. Vielmehr ist der Bibelvers, an den die Benediction anknüpft: ״Ich werde deine Biehter zurückführen wie zuvor, deine Batgeber wie ehedem״ (Jes. 1, 26) eines der vielen prophetischen Bilder zur Bezeichnung der künftigen Erlösung. Und wie in den Propheten und Psalmen an die Herstellung des Beiches Gottes die Bestrafung der Frevler anknüpft, 80 war es auch hier der Fall; nur wurde es später, als eine besondere Bitte gegen die Feinde der Beligion eingeführt ward, daraus entfernt. Der Bitte um die Bestrafung der Gottlosen trat schon damals diejenige um Segnung der Frommen im Gottesreiche gegenüber. ״ (4צדקינו במשפטLass uns verdienstvoll erscheinen im göttlichen Gericht damit vrir würdig seien der Wohlthaten des messianischen Beiches״, — so wird ihr Inhalt zusammengefasst. Die Kategorieen der Verdienstvollen, die dabei erwähnt werden, führen in die makkabäische Periode; חסידים und צדיהים sind die Namen, die in jener Zeit für die beiden- *) Dass man sich um die Zaddikim und ihre Gebete nicht kümmerte, wie Isr. Levi in REJ. XXXII, 171 meint, ist eine Behauptung, die deren Wesen und Zahl verkennt. נעשה דין מן הרשעים (ג Megiiia 17 b. *) והתועים על דעתך ישפטו Ber. 29 a und jer. das. 1Ys (8 a) והתועים עליך לשפוט.