Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 342 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Geschichte dns Achtzehngebets. dern dass ihr Inhalt bereits damals erweitert war, dass jene nur die Einleitung und den Abschluss bildeten und dann auch für immer beibehalten wurden1). Allerdings dürfen wir nicht an die Benedictionen in ihrer heutigen Gestalt denken, wenn wir ihnen dieses hohe Alter zuschreiben; die feste Formulierung der Gebete ist jüngeren Ursprungs, gar mancher Satz ist, wie die Betrachtung des Einzelnen lehren wird, Hinzirfügung aus späterer Zeit. Der Inhalt des Gebetstücks aber reicht in die älteste Zeit zurück. Ob freilich schon damals für jede Bitte eine besondere Eulogie bestimmt war, oder ob nicht vielmehr, ähnlich dem Gebet הביננו, alle Bitten in einem Satze mit einem einzigen Segen am Schluss vereint waren, darüber fehlt uns jede litterarische Notiz. Das Resultat unserer bisherigen Untersuchung war dieses, dass wir ausser den Benedictionen am Anfang und am Schluss der Tefilla auch einigen mittlereren ein sehr hohes Alter zuschrieben. Man schaltete in die Mitte der Tefilla Bitten um persönliche Bedürfnisse jedes Einzelnen ein, die allen gemeinsam warenי allen in gleicher Weise am Herzen lagen, so das Gebet um Heilung (VIII.), um Segen der Feldarbeit (IX.), um Erbörung der Gebete (XVI.) und um Einsicht (IV.). An dieses letztere schliessen sich vermöge ihres Inhalts ohne weiteres die beiden folgenden Eulogieen um Rückkehr zu Gott (V.) und die Sündenvergebung (VI.) an2), und wir dürfen wohl in den bisher genannten zwölf Benedictionen die älteste Tefilla erblicken. Die im Achtzehngebet sonst enthaltenen Eulogieen haben durchwegs nationalen Inhalt. Sie zeigen das Streben, das Gebet über ein Flehen für die Bedürfnisse des Einzelnen emporzuheben und weisen auf eine Zeit hin, in der schwere Bedrängnisse und feindliche Unterdrückung das jüdische Volk und das heilige Land niederwarfen. Doch auch unter diesen dürfte einer ein recht hohes Alter zukommen, der vierzehn ten mit der Bitte für Jerusalem. In ihrer heutigen Fassung setzt sie freilich die Zerstörung der Stadt voraus, aber Ursprunglieh enthielt sie ein Gebet für das Blühen und den Auf- J) Ygl. Monatsschrift a. a. 0. S. 120. 2) Sehr schön bemerkt Köhler in der Monatsschrift 1893, S. 447 : ״Wie die drei ersten Benedictionen dem ersten Gebet ־um physisches Licht entsprechen, so kommt in den folgenden das geistige Lieht der Vernunft und der sittlichen Erneuerung zum Ausdruck“.