Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 337 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschichte des AchtzeT1n.geb ets. 337 Sprungs zeigt. In der That weiss der Talmud zu erzählen, dass Simon ha-Pikoli die 18 Segenssprüche vor R. Gamliel II. in Jabheh geordnet habe (Ber. 28 b). Innerere Gründe zwingen uns dem Gebet ein höheres Alter zuzuweisen1). Die Ueberlieferung bietet auch dafür eine Stütze. Sie nennt die חכמים הראשונים (Sifre, Deb. Col. 343, ed. Eriedm. 142 b) oder ein andermal מאה ועשרים זקנים ובהם כמה נביאים (Meg. 17 b) als Ordner unserer Tefilla. Diese Naehrieht wird deutlicher gemacht durch die andere, welche die Männer der grossen Synagoge als Yerfasser der Gebete bezeichnet אנשי כנסת הגדולה תקנו להם לישראל ברכות ותפלות . ♦ ♦ (Ber. 33 a). Aber auch diese Angabe, welche die Abfassung unseres Gebets einer Behörde zuschreibt, deren Wirksamkeit sich auf mehr als zwei Jahrhunderte erstreckt, lässt noch viel Unklarheit zurück. Auch tritt der Widerspruch zwischen der letzten Ueberlieferung und jener anderen, die in R. Gamliefs Kreise, also zum mindesten drei Jahrhunderte später, die Entstehung des Achtzehngebets sucht, nur um 80 schärfer hervor. Der Talmud hat an der Urheberschaft der grossen Synagoge nicht gezweifelt, aber auch den Antheil des R. Gamliel nicht verkürzen wollen und darum zu der Auskunft gegriffen, dass das in Vergessenheit geratkene Gebet einer Neuschöpfung bedurfte שכחום וחזר ויסדום (Meg. 18 a), eine Ausgleichung, deren Unhaltbarkeit offenbar ist. Vielmehr können beide Nachrichten sehr wohl neben einander bestehen, so wir sie nur auf das richtige Mass zurückführen. Weder die Männer, der grossen Versammlung noch R. Garn- Hel haben das Gebet vollständig verfasst, wohl aber bilden die beiden bezeichneten Behörden die Marksteine in seiner Entwickelung. Jene haben es begonnen, dieser hat es abgeschlossen; zwischen der grossen Synagoge und R. Gamliel vollzieht sieb die Entstehungsgeschichte des Achtzehngebets. Zur Zeit dieses Patriarchen erhielt es, bis auf eine spätere Aenderung, diejenige Gestalt, in der es üblich geworden ist. Durch die grosse Synagoge ward es angebahnt und dem Cultus zugewiesen, durch R. Gamliel erhielt es seine feste, abschliessende Form und wurde zum täglichen Pflichtgebet erhoben für jeden Einzelnen in Israel. Die Tefilla war laugst vorhanden, ihr Inhalt schon vor der Zer- Störung des Tempels im grossen und ganzen festgelegt; aber 1j Man vergleiche die Erwähnung des Opferdienstes in Nr. 17, רצה.