Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 336 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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336 Geschichte des Achtzahngebets. gen, 80 wie es ein jeder vermochte, in jeder Sprache und Redewendung. Darum ward in der Mischnah noch ausdrück־■ lieh gestattet, die Tefilta in jeder beliebigen Sprache zu verrichten (Sota VII, 1), was beide Talmude übereinsitjnmend damit begründen, dass jedem Menschen die Möglichkeit geboten sein solle, in der ihm verständlichen Sprache um Erfüllung seiner Wünsche und Bedürfnisse zu beten. Ur־ sprünglich war eben dies allein der Zweck des Gebets, des Herzens Fühlen und Sehnen in Worte zu kleiden. Eine bestimmte Länge oder Form desselben war nicht vorgeschrieben, sie richtete sich nach dem Bedürfnis oder auch nach den Fähigkeiten des Einzelnen. Je nachdem er es vermochte, schmückte jeder sein Gebet aus. Der Ungelehrte äusserte in knappen Sätzen und kurzen Worten seine Wünsche; der Gelehrte hingegen erweiterte 3ein Gebet, er leitete es ein mit der Lobpreisung Gottes, sprach dann seine Bitten aus und schloss mit dem Danke für die Wohlthaten, welche Gott täglich und stündlich dem Menschen erweist1). Allein es ist undenkbar, dass auch nur ein Einzelner täglich betet, ohne dass das Gebet fixiert wird, noch weniger, dass eine Gesammtheit sich zu gemeinsamem öffentlichem Gottesdienst versammelt, ohne dass feste Geb etfor mein existieren, welche die allgemein gültigen religiösen Gedanken, die Bedürfnisse und Wünsche der Gesammtheit zum Ausdruck bringen. Die Grundanschauungen des Judenthums bekunden sich im Sch’ma, in den beiden Abschnitten, die das Einheitsbekenntnis und die Anerkennung der Offenbarung enthalten, und denen schon die heilige Schrift einen Hinweis auf das Morgen- und Abendgebet beigegeben hat. In Anschluss daran wurde nun das gemeinsame Haupt^ebet eingerichtet, die תפלה, um darin die Bitten der Gemeinde zu äussern. Dem Ein- *einen aber wurde es freigestellt, am Ende seines Gebets oder an einem dazu geeigneten Ort innerhalb der Tefilla in einem besonderen, תחנון, Flehen, genannten Abschnitte seine persönlichen Anliegen vorzutragen. Es ist dies das Gebet, das wir nach aLtem Herkommen Achtzehngebet, Schemoneh Esreh, nennen, das in Wirklichkeit aus neunzehn Segenssprüchen zusammengesetzt ist und in seiner gegenwärtigen Gestalt deutliche Spuren späteren Ur- 1J Yon dieser Zeit, in der die!Form des Gebets in das Belieben jedes Einzelnen gestellt war, gilt der Salz מברכותיו של אדם ניכר אם בור הוא ואם תלמיד חכם הוא (Tos. Berachot 1, .7, Zckmdi. s. 2).