Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 335 (sequence 6)
- Language
- German
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Geschichte des Achtzehngebets. 335 eben Gebeten? R. Samuel b. Nachmani erwiderte: sie eDtsprechen der dreifachen Veränderung, welcher das Tageslicht unterworfen ist. Frühmorgens soll der Mensch sprechen: ich danke dir, m. G. u. H., dass du mich aus der Finsternis zum Lichte geführt hast. Zu Mi n~c״h..a־h: ich bitte dich, m. G. u. H., ebenso wie du mir gegönnt hast, die Sonne im Anfgeben zu sehen, so mögest du mir auch vergönnen sie im Abstieg zu schauen. Am A b e n d: ebenso wie ich (vorige Nacht) mich im Dunkel befand und von dir zum Lichte geführt wurde, so möge es dir wohlgefällig sein, mich wiederum von Finsternis zum Lichte zu führen1). Nach der Rückkehr in das heilige Land und der neuen Ordnung der Verhältnisse hot sich eine weitere Veranlassung zum Gebet nicht mehr nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gemeinden. Täglich am Morgen und Nachmittag wurde im Tempel zu Jerusalem das Opfer dargebraeht. Die Gemeinden konnten nicht in ihrer Gesammtheit daran theilnehmen und entsandten darum in bestimmter Reihenfolge ihre Vertreter in das Heiligthum, die אנשי מעמד. Während der auf sie entfallenden Woche kam nun jede Gemeinde täglich des Morgens und gegen Abend in ihrem Versammlungshause, das auch sonst an Sabbathen und Festtagen gottesdienstlichen Zwecken diente, zusammen; während ihre Vertreter in Jerusalem dem Opferdienst beiwohnten, wollten auch sie daheim gemeinsam beten. Hieraus entwickelte sich allmählich ständig ein zweimaliger täglicher Gottesdienst, wofür der Talmud die Formel geprägt hat תפלות כנכד תמירים תהנום. Freiwillig scheinen viele den beiden Gebeten, welche den täglichen Opfern entsprechen, auch noch ein Abendgebet hinzugefügt zu haben, so dass die von dem Sonnenstand und den Opfern hergenommenen Zahlen einander genau deckten2). Ebenso wenig wie die Zahl und Zeit, war der Inhalt der täglichen Gebete vorgeschrieben und festgestellt. In der älteren Zeit sollte das Gebet die religiöse Stimmung äussern; was das Gemüth bewegte, sollte den Lippen entströmen, was im Innern sich regte, zum Ausdruck gelanb j. Ber. IV, (7 a) und Franfeel’s Commentar z. St., am Beginn des Gebets für Minchah muss es jedenfalls מתפלל אני statt מודד, אני heissen. 2) Vgl. über alle diese ersten Anfänge des Gebetes Sachs, Die religiöse Poesie der Juden in Spanien, II. Aufl., S. 164 ff. und diese Monatsschrift, .1886, S. 115—117.