Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 333 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschichte des Achtzehngebets, 333 diese Quellenschriften schliesst sieh im Mittelalter eine ausserordentlich reiche Litteratur an. Alle Erklärer des Talmud und Codifieatoren des jüdischen Rituals, welche das Gebiet des Gottesdienstes berühren, bieten mehr oder minder wichtige Nachrichten zur Geschichte des Achtzehngebets. Yon dieser reichen Litteratur seien hier nur genannt für den deutschen Ritus das Machsor Vitry, für den sephardischen Maimonides Mischneh Thora, und aus späterer Zeit David Abudarhams Bemerkungen zum Siddur sowie Tur und Beth Josel Orach Chajjim. In neuerer Zeit hat zuerst Rap 0port in seiner Biographie Eleasar ha-Kalir’s die Entstehung des Achtzehngebets kritisch behandelt, auf ihn folgt Zunzens Darstellung in seinen ״Gottesdienstlichen Vorträgen * * und seine vielfachen, sehr wertvollen Winke in den ״Ritus des synagogalen Gottesdienstes1״). An die Forschungen dieser beiden Bfadweiser der jüdischen Wissenschaft lehnt sich Landshuth’s kritischer Commentar im Siddur הגיון לב, an diesen S. B a er’s Ausgabe und Erklärung in seinem ס׳ עבודת ישראל an. Auf diese gelehrten Arbeiten gestützt, soll im folgenden eine quellenmässige Darstellung der Geschichte des Achtzehngebets gegeben werden. I. Theil. Allgemeine Geschichte. Die Anfänge des Achtzehngebets sind ebenso wie die Zeit der Entstehung fester Gebete überhaupt in tiefstes Dunkel gehüllt und mit Sicherheit historisch nicht bestimmbar. Das Gebet ist so alt wie das religiöse Empfinden. Im Gebet zeigt sich der vollendetste Ausdruck einer Religion, im Gebet offenbart sich jene Hingabe unseres eigenen Selbst an Gott, die das Grundwesen aller Religion bildet. Als un״ mittelbares Zwiegespräch unserer Seele mit Gott wird das Gebet zunächst nach den verschiedenen Zeiten und Lagen, nach Stimmungen und Eindrücken verschieden sein. Erst allmählich mit der Entwickelung des öffentlichen gemeinsamen Gottesdienstes an bestimmten Gebets Zeiten kommen auch feste Gebete auf. Der Heiligen Schrift sind stehende Gebete unbekannt. Wohl hat auch das älteste Israel heilige Worte, Sprüche und sind, ein Uebelstand, der auch bei anderen Ausg. ähnl. Inhalt (stellenw. im M. Vitry) beklagt werden muss. *) Im Folgenden mit R. citiert. 21*