Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 332 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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332 G־eschichte des Achtzehngebets. ja bis heute erhalten. Selbst innerhalb desselben Ritus sind je nach dem Druckort und dem Herausgeber eines Gebetbuches Abweichungen wahrzunehmen, und halten die einzelnen Gemeinden, bewusst oder unbewusst, gewisse Yerschiedenheiten aufrecht. Die zahlreichsten und wesentlichsten Verschiebungen im Text und Inhalt des Achtzehngebets hat die Reformbewegung unseres Jahrhunderts hervorgerufen. Allein diese Aenderungen, zum Theil aus Beweggründen hervorgegangen, die völlig ausserhalb des Gebetes liegen, treten vollständig aus dem Rahmen der bisherigen Entwickelung heraus; sie sind überdies unter einander durchaus verschieden und mit den Persönlichkeiten und Kämpfen unserer Zeit so eng verbunden, dass eine objcctive historische Darstellung derselben noch nicht möglich ist, und wir uns begnügen müssen, diese Erscheinung nur vorübergehend zu erwähnen. Die wichtigste Quelle für die Geschichte des Achtzehngebets ist der Talmud. Allein in ihm finden wir keine zusammenhängende Darstellung der Bestimmungen oder der Entstehung der Tefilla, sondern nur mühsam gewinnen wir durch Sammlung aller in ihm verstreuten Bemerkungen, ein sehr lückenhaftes Bild von ihrer Entwickelung und ihrem damaligen Stande. Diese Thatsache ist schon von Maimonides in seinem Mischnah-Cornmentar1) hinreichend erklärt. Da die Tefilla, so führt er aus, infolge ihres täglichen Gebrauchs allgemein verbreitet und allen genau bekannt war, sah sich die Mischna nicht veranlasst, ihren Text noch einmal wörtlieh vorzuschreiben. Was Maimonides von der Mischnah sagte, dürfen wir auch auf die Gemara übertragen. Die babylonische und noch mehr die jerusalemiscbe Gemara gewähren uns' einen schwachen Einblick in die Enfcstehungsgeschichte und die allgemeine Verfassung der Tefilla, ohne uns über Einzelheiten näheren Aufschluss zu bieten. Eür den Text des Achtzehngebets haben wir den Siddur des Gaon Amraina) als älteste erhaltene Quelle anzusehen. An *) ,וסבת זד, .בעיני לפי שהיו הדברים האלו מפורסמים בזמן חבור המשגר והיו עדנים ידועים ונהוגים ביד כל העם-פרט וכלל ואין ענין מהן נפלא משוס אדם וע״כ לא ראה לדבר בהן כמו שלא הסדיר התפלה ד״ל נוסחה .... לפי שהיה ספורפס ולא חברו בזה סדור zu Menaehot iv, 1 b. 2) Zum grossen Schaden für die wissenschaftl. Benutzung dieses Werkes hat der Herausgeber bekannte Stücke vielfach abgekürzt und nur die Anfangsworte derselben gegeben; darum ist es nicht möglich zu untersuchen, ob nicht im Einzelnen oft Abweichungen vorhanden