Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 282 (sequence 3)
- Language
- German
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282 Besprechungen. bis heute haben sie das Studium der Sprachen gründlich betrieben und nach Möglichkeit Handschriften und die alten Ueb er Setzungen, durchforscht, um nach ihnen die Lesung des Bibeltextes zu prüfen und zu verbessern. Aber auch sie haben ihre Ueberlieferungen, die ihnen in der Bibelexegese als Leuchte dienen; jedoch diese Leuchte strahlt in einem von ׳anderwärts stammenden Lichte, da die nichtjüdischen Gelehrten unsere heiligen Schriften nur um ihrer eigenen heiligen Schriften (des ■N. T.) ־willen für heilig halten. Weil sonst unsere heiligen Schriften von ihnen missachtet würden, wie wir selbst es sind, so fehlt ihrem Studium die rechte Liebe zum Gegenstände, was auf die!Resultate des Studiums nur nachtheilig wirken kann. Ferner richten die nichtjüdischen Bibelerklärer ftur auf die mit dem Hebräischen verwandten Sprachen ihr Augenmerk, um mit ihnen die Sprache der Bibel zu vergleichen: hingegen vernachlässigen sie die Sprache des Talmud, weil ihnen dieser ein Buch mit sieben Siegeln ist. Und dennoch gebührt der Sprache des Talmud der erste Rang zur Hinleitung auf der! rechten Weg. Denn wie die Verwandtschaft zwischen Vater und Sohn stärker ist, als die zwischen Brüdern, so ist die spätere Sprache eines Volkes für die Erkenntniss seiner früheren Sprache lehrreicher, als die Sprache eines verwandten Volkes, wenn auch früherer Zeit. Die nicbtjüdischen Gelehiten bedachten nicht, dass die Ideen jedes Volkes, seine Anschauungsweise und seine Sitten und Gewohnheiten auf seine Sprache und deren Organismus ihre Wirkung ausüben, ..... die Ideen und Gewohnheiten des jüdischen Volkes aber uns voll und klar nur aus dem talmudischen Schriftthum erkennbar sind“. Trotz des Kernes von Wahrheit, die diese Aeusserung ohne Zweifel enthält, indem sie auf die oft auch bei den unabhängigsten alttestamentlichen Forschern zur Geltung gelangende christliche Tendenz, sowie auf die Vernachlässigung der aus dem Leben des Volkes der Bibel hervorgegangenen Traditionslitteratur des Judenthums hinweist, muss sie als ungerechtes Uitheil über die Leistungen der ausserhalb des Judenthums als blühende Wissenschaft mit Hingebung und Geistes:־ fülle gepflegten Bibelforschung bezeichnet werden. Als so ungemein arm an Resultaten, wie diese Bibelforschung von vier Jahrhunderten des Christliehen Europa durch Ehrlich hingestellt wird, kann nur ein befangenes und von den Ergebnissen der eigenen Forschung geblendetes Auge sie sehen. Was seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts durch christliche Forscher für das sprachliche und sachliche Verständnis der biblischen Texte, für die geschichtliche und ästhetische Würdigung der heiligen Schriften Israels getban wurde, muss den jüdischen Forscher zur Dankbarkeit stimmen und eine so wegwerfende Art, zu urtheilen, wie sie sich in der citirten Aeusserung Ehrlichs und auch sonst in seinem Werke kundgiebb, verhindern. Uebrigens ist seine eigene Methode in der Bibelerklärung von der Methode der modernen, sei es jüdischen, sei es christlichen Bibelexegeten in Wesen durchaus nicht verschieden. Die Quellenscheidung innerhalb der biblischen Bücher, obwohl es nach der Anlage seines Werkes diese Seite der Bibelexegese nicht berücksichtigt, drängt sich hie und da dennoch hervor, Di? Kritik des massoretischen Textes und die auf Grund derselben gemachten Textesänderungen nehmen, wie bei allen neueren Exegeten, eine sehr hervorragende Stelle in Ehrlichs Scholien ein. Die alten Versionen zieht auch er zu Rathe, und er giebt 0ft dem Septuaginta-Texte den Vorzug vor dem massoretischen. Sehr heachtenswerth sind seine aus der Vergleichung des arabischen , Wort-