Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 233 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. 238 Wortes.״ ,לבשרfrohe Botschaft zu verkünden“; sOa^YsW£s<j0׳*a1 und danach das Substantiv Evangelium ist der Name für die Verkündigung Jesu überhaupt geworden. Und wenn er am Kreuze die Worte des Ps. 22, 2 אלי אלי למה עזבתני ״mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ ausrief, oder vielmehr nach der aramäischen Volkssprache שבקתני (Mat. 27, 46), so folgte er einem unter den Juden damals und bis auf die jüngste Zeit herrschenden Gebrauche, die Psalmen als Gebete auch in den allerpersönlichsten Angelegenheiten zu verwenden. Und wenn Harnack vom Christenthum rühmt, (S. 7.) ״dass in ihm und durch es nicht einmal, sondern fort und fort Kräfte entbunden worden sind“, dass es sich in ihm nicht um eine ״Lehre״ handelt, ״die in einförmiger Wie■» derholung überliefert, oder willkürlich entstellt worden ist, sondern um ein Leben, das immer aufs neue entzündet, nur mit eigener Plamme brennt“, so1 können wir g an z da sselbe vom Judenthum behaupten. Die heiligen Schriften wurden. niemals nur gedächtnismässig aufgespeichert, sondern vom Geiste und dem Gemüthe erfasst und wuchsen in höher begabten Seelen an eifernd und vorbildlich zu eigenen selbständigen Schöpfungen empor. Zeuge dessen ist gerade aus diesen Zeiten eine Anzahl von Gebeten, die uns zum Theil noch in unserem Gebetbuche, zum Theil im Talmud erhalten sind, und die an Höhe des Gedankens, an Weite des Blickes, an Tiefe der Empfindung, an Kraft und Schönheit des Ausdruckes ihren Vorbildern nahe kommen, Neues und Eigenartiges ihnen hinzufügen. Zeuge dessen ist ferner das ganze wTeite Gebiet der Haggada, aus dem wir ersehen, mit welcher geistigen Freiheit die ganze heilige Schrift durchforscht, ausgedeutet und erweitert worden ist, wie dazu noch ein die Höhen, wie die Tiefen des Lebens umfassender Trieb nach Erkenntnisse eine feinsinnige Beobach־ tung des Einzelnen, eine eindringende Welt- und Menschenkenntniss sich gesellte und eine Fülle von Weisheit erzeugte, deren Lehren an Reife des Denkens, an Ernst und Klarheit des Urtheils, an Milde und Zartheit der Empfindung, vor Allem aber an Schlichtheit und Geradheit, an überzeugender Kraft und Wahrheit den Vergleich mit denen des N. T. nicht zu scheuen haben. Aber auch der grosse Kreis der Halacha, der gesetzliehen Ordnungen, des Talmud, woran Harnack wohl bei