Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 224 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829760-2829764-2883916--31347-2883967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
224 Die'Wiederherstellung Israels unter, den Achämeniden. mit der g ru ndsätzli che n Missachtung der chronistisch selbstständigen Berichte auch hier genau so im Unrechte ist, wie noch vor Kurzem mit der Beurtheilung der soeben erwähnten Nachrichten, die als schlechthin fabelhaft angesehen wurden. Angesichts solcher Erfahrungen muss der Verdacht gegen Esra c. I. als gegen ein chronistisches Machwerk mehr und mehr verschwinden. IV. Kritische Prüfung der Gründe, aus denen eine Rückkehr^ unter Kyros verworfen wird. Bekanntlich haben Kosters (Wiederherstellung 1895, 14), Marquard (Fundamente 1896, 35), — denen auch Guthe(Gesch. I81\ 1898, 245) und viele Andere folgten, — die Behauptung aufgestellt, dass unter Kyros eine Rückkehr der Juden nach Jerusalem überhaupt nicht stattgefunden habe, und dass daher der Inhalt von Esra c. I sei eine reine Erfindung des Chronisten. Dass eine solche Behauptung angesichts der oben angeführten mannigfachen und unzweideutigen Berichte der Kyros- Inschriften, — wie Kyroscylinder Z. 11. ארתש תיר כללת״ ״ "מוצתא כלשגe r befahl d i e Rückkeh r d e r Gesammtheit aller Länder“ oder Z. 32. .נללת ״ נשי־שו־נו אפדזו־מ אתיר דדם־ש־נו־versammelte ihre g e s a m m t e n Bewohner und richtete wied er h er ihre W olnung״' — im Grunde, einer ernsthaften Widerlegung nicht bedürfe, braucht kaum noch betont zu werden. Nur weil die Hypothese in den Fachkreisen wider Erwarten in erstaunlicher Weise Zustimmung gefunden hat, ist es nöthig, noch ein wenig näher auf dieselbe einzugehen. Den auf der tland liegenden Einwurf, dass seine Auf- Stellung in crassem Widerspruch zu den keilinschriftlichen Berichten stehe, tritt Kosters mit der einfachen Bemerkung entgegen, dass ״die Kyrosinschriften die kritische Untersuchung der Rückkehr4noch nicht überflüssig gemacht habenu. Warum nicht, und wieso nicht? Darüber erfahren wir kein Wort. Die Ausflucht ist umso wunderlicher, als Kosters selbst in der Einleitung als das Motiv zu seinem Verfahren die Untersuchung über die Tendenz der Esra-Beriehte angiebt. Gerade dafür bieten ja aber die Inschriften als zeitgenössische Berichte, den einzigen brauchbaren Maassstab dar.