Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 221 (sequence 16)
- Language
- German
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Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. 221 ausser von Torry, bisher noch von keinem Gelehrten in Zweifel gezogen worden ist. Wir begreifen hiernach durchaus nicht, warum eigentlich das Vorhandensein einer Auf- Zeichnung der Tempelgeräthe aus der Zeit der ersten Rückkehr unwahrscheinlicher sein sollte, als das Vorhandensein einer derartigen Liste, nicht bloss der zurückgekehrten Personen, son« dern sogar des mitgebrachten Viehes (Esra II. 66—67. Neh. VII. 68—69.). Gegen den Einwurf Stades (Gesch. II, 99), dass zwischen Esra I, 4 und 6, 4 ein Widerspruch bestehe, indem nämlich nach dem ersten Berichte der Tempel von jüd. Spenden hergestellt werden soll, während nach Letzterem die Kosten aus der königlicher! Schatzkammer zu bestreiten seien, verweist Nikel (Wiederherstellung 1900, 58) mit Recht auf Esra 7, 16—20, woraus deutlich hervorgeht, dass die beiden Bestimmungen sich nicht ausschliessen. Vergl. übrigens Meyer (Entstehung 50) über die Bedeutung von "״גזני. מלכא und ״נכסי מלבא״♦' Wäre dem Chronisten das Kyrosedicfc von Esra 6, 2—5 bekannt gewesen, so hätte er sicherlich diese Hochherzigkeit des Kyros mitzutheilen nicht verabsäumt. Dass aber die Aufzeichnungen, die dem Chronisten zur Verfügung standen, in vieler Hinsicht defect waren, beweist ja schon die grosse UnVollständigkeit des Berichtes in Esra I, sowohl bezüglich des Datums des Auszuges und der Ankunft der Karawane, als auch hinsichtlich ihrer Schicksale und der Einzelschilderung der architektonischen Bestimmungen (vrgl. Esra 6, 8—4). Wenn ferner Marquard (Fundamente 1895) meint; Esra I, sei eine Nachbildung von Esra VII, so bleibt es doch höchst unbegreiflich, warum der Chronist nicht auch die Daten von dort mitherübergenommen haben sollte, (vrgl. Esra 7, 8—9). Wenn weiter Kuenen aus der Unvollständigkeit des Berichtes von Esra I. einen Beweis gegen die Geschichtlichkeit derselben hernehmen will, so ist eine solche Logik höchstens für seine Untersuchungsmethode charakteristisch. Was eigentlich sollte denn den Chronisten, dem Kuenen doch sonst soviel ,Geschicklichkeit im Erdichten und freien Combioieren zutraut, hier gehindert haben, diesen Zug mit Daten und Abenteuern reichlich auszuschmücken? Ausser den bis jetzt behandelten Einzelnmotiven, welche die Gelehrten zur Verwerfung von Esra c. I führten, giebt es noch ein aphoristisches Hauptmotiv, welches Esra I von vornherein als werthlos hinstellt. Es ist dies der Grund —