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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1902) · p. Seite 204

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1902)
Article
Studien über die Beschneidung
Date
1902-05-01
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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204 Studien über die Beschneidung. Auch die Vorhaut des Menschen war zweifellos ursprünglich so beschaffen, dass sie allen diesen Anforderungen recht werden konnte. Der Mensch hat in seinem Naturzustände, als er noch unbekleidet umherwandelte, zweifellos eine schützende Vorhaut besessen. Sie war gewiss, so wie die Vorhaut anderer Säugethiere, nach aussen derb (und mehr oder weniger behaart) und entsprach vollkommen der ihr zugewiesenen Aufgabe eines Schutzorganes. Anders ist es heute. Der Mensch hat seine Natur geändert. Sobald der Urmensch vom Baume der Erkenntnis genossen hatte, war sein erster menschenwürdiger Gedanke, seine Blosse zu bedecken. Gleichwie nun die veränderte Lebensweise des Menschen späterer Jahrhunderte, insbesondere seine Kleidung, auf die Haut im Allgemeinen verändernd eingewirkt hat in der Richtung, dass sie viel dünner und zarter geworden ist, als die Haat der übrigen Säugethiere, so geschah dies in noch viel höherem Grade in Bezug auf die Vorhaut. Denn wenn die während vieler Jahrtausende übliche Bekleidung langsam aber stetig die Haut des Menschen verändert hat, so musste derjenige Theil derselben, welcher stets und ausnahmslos bedeckt gehalten wird — seihst bei wilden Völkern in der heissen Zone, welche den übrigen Körper nur mangelhaft oder gar nicht bekleiden — von dieser Veränderung am meisten betroffen werden. Es unterliegt also keinem Zweifel, dass die Vorhaut des Menschen, weil sie nicht mehr, wie bei den Thieren, unbekleidet und äusseren Einflüssen nicht mehr ausgesetzt ist, sich im Laufe von Jahrtausenden verändert hat, so dass sie weniger derb, verweichlicht und äusseren Einflüssen gegenüber viel weniger widerstandsfähig geworden ist. Den Schutz, den ursprünglich die Vorhaut gewährte, bietet seit Jahrtausenden die Kleidung; also hat die Vorhaut im Laufe der Zeiten ihren Hauptzweck eingebüsst; sie ist das entbehrliche Rudiment eines einstigen Schutzorganes geworden, das in steter Rückbildung begriffen ist. Wäre die Vorbaut heute noch das, wozu sie ursprünglieh von der Natur bestimmt war — ein Schutzorgan —, dann müsste durch das Hin wegschaffen derselben der Körpertheil, dem sie ihren Schutz gewähren sollte, aus-

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