Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Studien über die Beschneidung
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
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Studien über die Beschneidung. 205 nahmslos schweren Schädigungen ansgesetzt sein und in seiner Functionstüchtigkeit wesentliche Einbusse erleiden, ebenso wie etwa ein Auge Schaden leiden müsste, wenn es seiner Lider gänzlich oder theilweise beraubt wäre. Wenn wir die Beschneidungsoperation an einem Hunde oder Pferde vornehmen würden, wäre ausnahmslos eine Schädigung des Organes — der Ruthe — die natürliche Folge, da bei den Thieren, welche unbekleidet sind, die Yorhaut nach wie vor ein nothwendiges Schutzorgan bildet, bei dessen Mangel das männliche Begattungsorgan alle״ äusseren Unbilden preisgegeben wäre. Nun hat aber noch Niemand es gewagt, die Behauptung aufzustellen, dass die beschnittene Bevölkerung der Erde in Folge der Beschneidung irgend welchen Mangel der Functionstüchtigkeit zu beklagen hätte. Bezüglich der Fruchtbarkeit sind gerade die Beschnittenen den Unbeschnittenen weit überlegen. Die Meinungsverschiedenheit, welche in diesem Punkte besteht, gipfelt nur darin, dass die Einen die Yortheile der Beschneidung gering anschlagen, während die Anderen sie sehr hoch schätzen. Nicht die Entfernung der Yorhaut ist von Schaden, sondern das Bestehen einer solchen ist häufig Ursache zu Beschwerden und Krankheiten, von welchen die Beschnittenen frei bleiben. Ein solches ״rudimentäres“ Organ müsste jedoch nach den heute anerkannten Naturgesetzen schwinden, sich allmählig von selbst zurückbilden. Dies geschieht in der That, — die Erweiter ung der Yorhautöffnung, die Loslösung der Yerklebung des inneren Blattes der Yorhaut mit der Eichel vollziehen sich spontan in den ersten Lebensjahren, und bei einem grossen Theile der erwachsenen Nichtbeschnittenen liegt in der That die Eichel frei. Es besteht also ein Zustand, der nicht wesentlich verschieden ist von demjenigen der Beschnittenen. Viele Kinder machen diesen Prozess schon im Mutterleibe durch, so dass sie bei ihrer Geburt bereits wie heschnitten aussehen (נולד מהול). Hierin zeigt sich die Tendenz der Entwickelung im Sinne der Anpassungslehre und der Talmud hat wieder einmal Recht, wenn er* die Beschneidung als eine Correctur, als תקון beim Menschen bezeichnet.1) 13 Vergleiche Kutna ״Ueber den Werth der Prühbesehneidung״, Medizinische Blätter 1902.