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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1902) · p. Seite 202

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1902)
Article
Studien über die Beschneidung
Date
1902-05-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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202 Studien über die Beschneidung. eine spätere Hinzufügung halten, weil sie in den hl. Schriften nicht besonders erwähnt ist. Allein dieser Umstand beweist durchaus nicht den nachcanonischen Ursprung der Periah; denn die Art der Ausführung der Operation wird überhaupt nicht erwähnt, sondern als bekannt vorausgesetzt. Es wird w e d e r von der Amputation noch von der Blosslegung irgendwo gesprochen. Ueber das Aussaugen der Wunde (מציצה) endlich braucht kaum noch ein Wort hinzugefügt werden. Niemand wird heute mehr, nachdem die Lehre von der Wundinfection Gemeingut aller Gebildeten geworden ist und die Gefahren, welche die Berührung der Wunde mit dem Munde des Operateurs heraufbeschwören kann, jedem Laien bekannt sind, die מציצה בפה befürworten. Hingegen lässt sich gegen מציצה בכלי, die als Vollendung der Operation für. nöthig gehalten wird/ auch vom ärztlichen Standpunkte aus nicht das Mindeste einwenden, falls nur die Regeln der Aseptik dabei beobachtet werden. Nur eine ■einzige schwerwiegende Frage harrt zum Schluss noch der Antwort. Man sollte meinen, dass es für jeden thierischen Organismus von Schaden sein müsse, wenn man ihn auf gewaltsame Weise eines Organes oder Organtheiles beraubt; denn nichts ist in der Natur zwecklos; jedes Organ — so unbedeutend es auch erscheinen mag — ist nothwendig da, und seine Function bildet einen Theil des Lebens, das in dem Zusammenwirken aller Organe eines Individuums voll zum Ausdrucke kommt. Es müsste demnach als ein verwerflicher Act des Barbarismus bezeichnet werden, ein hilfloses Kind irgend eines noch so untergeordneten Organtheiles zu berauben, da es dadurch ein Stück seines vollen Lebens einbüsst. Auch die Vorhaut sollte billig hievon keine Ausnahme bilden; denn auch sie kann unmöglich ohne natürlichen Zweck und Nutzen bestehen, da in der Natur allenthalben das eherne Gesetz der Zweckmässigkeit herrscht. Diese Frage wird schon im Talmud aufgeworfen und wie bereits erwähnt, dahin beantwortet, die B. sei ein תקון eine Correctur, wie etwa das Abschneiden der Nägel und der Haare. Maimonides1) nimmt diese Antwort nicht ernst; er sagt: b Maimonides Moreh a. a. 0.

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