Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1902) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1902)
Article
Studien über die Beschneidung
Date
1902-05-01
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2829132-2829760-2829764-2883915--31322-2883943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

.200 Studien über die Besehneidung. deren Vorhaut im Allgemeinen verlängert und verdickt ist, und wo die Absonderung der Vorhautschmiere bedeutend stärker ist. In der Annahme, dass dieses rein praktische Motiv für die hygienische Vornahme der B, im Kindesalter dem alten Israel und der mosaischen Gesetzgebung nicht gleichgiltig war, wird man bestärkt durch eine vielfach übersehene Andeutung in der bekannten, einigermassen dunkeln und ebendarum auch verschieden ausgelegten Bibelstelle (Ex. V, 24 ff). ויהי בדרך במלון ויפגשהו ד ויבקש המיתו ותקח צפורה צוד ותכרות את־ערלת בנה ותגע לרגליו ותאמר כי חתן־דמים אתה לי וירף ממנו .אז אמרה חתן דמים למולו ת Deutlich besagt die Erzählung, dass eine Lebensgefahr bestand, die durch die Besehneidung behoben wurde. Im Uebrigen ist sie dunkel und vielleicht fragmentarisch. Gewohnlich wird die Lebensgefahr auf Moses bezogen, ebenso wie der Ausdruck ״BlutbräutigamDurch eine derartige Interpretation aber wird der Sinn der Stelle, und zwar auf Kosten der Syntax, nur noch unklarer und unverständlicher gemacht. Es handelt sich um Folgendes : Offenbar war das Kind krank, es litt wohl an totaler Phimose (Verwachsung der Vorhaut an ihrer Spitze) und konnte nicht uriniren. Nicht Moses also war gefährdet, denn es wäre ein Unding anzunehmen, dass Zipporah das Kind beschneidet, um den V ater aus einer drohenden Lebensgefahr zu retten. Die Legende, die der Talmud von den bösen Engeln zu berichten weiss, welche Moses umschlangen1) und bloss diese Stelle seines Körpers freiliessen, ist ein Beweis dafür, dass auch die Gelehrten des Talmud sich die Frage vorlegten : Woher wusste Zipporah, dass die Todsünde Mosis in der Unterlassung der B. bestand? Der Ausdruck ״ותכרות״ sie schnitt ab, passt auch gar nicht auf die regelrechte Vornahme der B. (diese heisst nur ״מול״) und weist auf ein einfaches Schneiden, Zerreissen hin. Das Kind war es, dem der Tod drohte, weil es unbeschnitten war, d. h. weil die Vorhaut an der Spitze verklebt, verwachsen war, so dass die Entleerung des angestauten Harnes nicht vor sich gehen konnte. Da nahm Zipporah, als besorgte Mutter, den ersten ג) Tlialm. bab. Nedarim 32 בשעה שנתרשל משה ר, מן המילה באו אף וחימה ובלעוהו ולא שיירו ממנו אלא רגליו׳ מיד ותקה ציפורה צור ותכרות את ערלת בכה וגו׳.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.