Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1902)
- Article
- Studien über die Beschneidung
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Studien über die Beschneidung. 199 1) Falls die B. nicht; im zarten Kindesalter vollzogen werden würde, so möchte der Erwachsene sie vielleicht gänzlich unterlassen. 2) ist beim Erwachsenen der Schmerz, welchen die Beschneidungsoperation verursacht, viel grösser, und viel grösser ist dem entsprechend auch seine Angst vor der Operation. 3) ist es eine bekannte Thatsache, dass die Eltern in der Regel ein so kleines Kind noch nicht in dem über•• schwenglichen Masse ,lieben wie ein älteres. Denn mit dem zunehmenden Alter und der wachsenden Verständigkeit des Kindes wird auch das Band der natürlichen Liebe immer stärker, welches die Eltern mit dem Kinde verknüpft. Wenn man demnach die Beschneidung in das 2. oder 3-te Lebens- Jahr verlegen würde, so möchten die Eltern dieselbe aus Liebe zu dem Kinde, aus Furcht, ihm einen grossen Schmerz zu bereiten, eher unterlassen. Maimonides hält jedoch — wie es scheint — selber diese drei Momente nicht für eigentliche Gründe (טעמים), sondern, erwähnt sie nur als Vorth eile der Frühbeschneidung, welche nach seiner Ansicht, die Weisheit der mosaischen Gesetzgebung nicht unberücksichtigt lassen konnte; er nennt sie daher auch so: ״ ״חכמות״Vortheile“. Und in der That wären diese Momente sehr unzulängliche Gründe für die Einführung der B. am achter Lebenstage. Mehr als 200 Millionen Mohammedaner und viele heidnische Volksstämme üben die B. in dem späteren Kindes- oder im Pubertätsalter, und dennoch hat sich bei ihnen das Beschneidungsgebot erhalten und wird allgemein geübt. Ein anderes Moment aber befürwortet ganz entschieden die Frühbeschneidung. So sehr es nämlich oben abzuweisen war, die B. überhairpt als eine Präventivmassregel, als rein hygienisches Gebot aufzufassen, weil diese Erklärung weit hinter der Bedeutung der B. für Israel zurückbleibt, eben so sehr scheint es am Platze sie als Hauptgrund für die frühzeitige Vornahme der Beschneidungsoperation gelten zu lassen. Die Krankheiten, welche die Operation erwünscht machen, und die durch die frühzeitig ausgeführte Beschneidung vermieden werden, in erster Reihe die Phimose und Paraphimose, so wie deren böse Folgen sind gerade im Kindesalter — auch bei uns in Mitteleuropa — sehr häufig. Ungleich häufiger muss sie im Orient Vorkommen, bei den Völkern