Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Purim und Parodie
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 183 (sequence 8)
- Language
- German
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Purim, und Parodie. 183 2. Sam. 14), Tanzen mit Gesang und Saitenspiel, dieses Alles wird durch שחק ausgedrückt, im Chaldäischen חייך. Der Uebergang von der sinnlichen Vorstellung zum abstracten Be־ griff ist ein einfacher, daher auch ähnlich in nichtverwandten Sprachen zu finden, z. B. jocus, italienisch giocare, französisch jouer, Scherz und Spiel. Eine Art von Spiel ist auch die Wette mit einem festgesetzten Preise. Sie beginnt in Sitte und Sprache mit einer gemeinschaftlichen Leistung : Rennen, Kämpfen, Darstellen durch Farbe und Gestalt, oder in Worten (Zeichnen, Malen, Bilden, Vortragen, Dichten) und entwickelt sich bis zur Wette über eine von unserer Thätigkeit unabhängige Thatsache, oder ein künftiges Ereignis; in diese Kategorie gehören Wetten, in welchen Personen auf Grund einer besseren, oder vermeintlich grösseren Kenntnis eine Wette um die Wahrheit oder Richtigkeit ihrer Behauptung ein gehen. In diesem Falle ist nicht der materielle Gewinn der Hauptzweck, sondern eine Rechtfertigung, welche allerdings oft eine Befriedigung der Eitelkeit sein soll. Die Wettsucht kann freilich zur widrigen und gefährlichen Leidenschaft werden, oder auch zu einer tadelhaften Gewohnheit, wie die Nation selbst zugesteht, in der sich alle Phasen des Wettspiels am weitesten entwickelt haben, die englische, und nicht zufällig, wie sich zeigen wird. Die Wette ist eine ungesunde und späte Entwickelung; und auch hier ist die Geschichte des Wortes belehrend. Die alten Hebräer kennen Wetten ohne entsprechende Thätigkeit nicht und haben kein Wort dafür. Bensew’s deutsch-hebr. W örterb. giebt nnteV וועטטק das hebr. התערב (sich einmischen, wetteifern) und תקע כף (Handschlag geben, dafür bürgen, wovor gewarnt wird Sprüche 6, 11; auch 11, 15 ohne כף). Jüdische Moralisten lassen keine Leidenschaft und keine Schwäche ungestraft, aber Wettsucht fanden sie nicht vor. Moses Cohen b. Elasar (1473, vgl. Zunz, Hebr. Bibi. IX, 113, auch Ges. Sehr. III, 267) missbilligt das Wetten in der Absicht Geld zu gewinnen1), in seinem kleinen חסידים fD (Warschau 1866, f. 11b), welches irrtümlich als 0' משכיל bezeich- ג) A. Berliner, Aus dem innern Leben der deutschen Juden im Mittelalter, S. 12 und 53, Anm. 65, 2. Aufl. (unt. verändertem Titel) S. 22, Diesem Buche (S. 9 ff.) ist der Artikel: ״Spiele und Vergnügungen hei den deutschen Juden im Mittelalter“ m E. Elanter, Israel. Jugendfreund, Jahrg״• VI, 1900 entnommen, auch abgedruckt in der ״Jüdischen Turnzeitung“. '