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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 182

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Purim und Parodie
Date
1902-03-01
Page
Seite 182 (sequence 7)
Language
German
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182 Purim und Parodie. Augen, in der ich selbst eine hervortretende Figur bildete. Sie* bestand aus etwa 10 Jünglingen aus der zahlreichen Jeschiba (Hochschule) des nachmaligen Landrabbiners Nehemias T1־ebitsch in meiner Vaterstadt Prossnitz (Mähren), welche nichts Anderes als eigene Belustigung im Umherziehen in» den geräumigem Wohnungen beabsichtigten.1) Wir waren eine Zigeunerbande, darunter mein Talmudlehrer; ich repräsentirte die Musik mit meiner Violine, die ich zu 6 Jahren in der christlichen Schale zu lernen begonnen hatte. Ich spielte eine Melodie, die ich niemals vergessen habe, und die Bande sang ein Lied, dessen Anfang lautete : O holde Schwester, gib uns Wein Und lass die Hand uns sehn! Dann wollen wir dir prophezei!!, Was künftig wird geschehn. Einen Begriff von diesen angeblich chiromantischeu Prophezeiungen kann man sich aus folgender mir noch erin— nerlichen Strophe machen : Wer vieles Heu im Stalle hat, Dem wird die Kuh nicht mager; Und wer eine schöne Schwester hat, Bekommt bald einen Schwager. Aus welcher, wahrscheinlich gedruckten, Quelle das Scherzlied stammt, weiss ich nicht mehr. Eine naheliegende Ideenverbindung führt uns von Schau״־ spiel und Saitenspiel zum S p i e 1 in anderem Sinne und auf das• Wort Purim zurück. Die-Frage, wie öich das Gewinn-Spiel überhaupt, und das Hazardspiel insbesondere, zu den im. Judentum herrschenden Ideen verhalte,! verdiente eine selbst•־ ständige Behandlung 2). Für Spiel als Zeitvertreib überhaupt hat die hebräische Sprache kein besonderes Wort; die Sache selbst kommt in der Bibel fast gar nicht vor. Lachen, Scherzen und Spielen (der Kinder, der sich tummelnden Jünglinge,. x) 312 Familien nebst einer Anzahl vom Staate nicht anerkannter (sogen. ״Emigranten“) waren auf ein Ghetto von 48 Häusern beschränkt,, worunter kaum ein zweistöckiges. 2) Low (Lebensalter) und Abrahams (Jewish life in the middle ages) berühren die Frage vorübergehend. — Das hach gehört eigentlieh gar nicht zu den Spielen im engeren Sinnö; bekannt ist Mendelssohn’s Aeusserung: ״für Spiel zu viel Ernst, für Ernst zu viel Spiel“־ (s. mein ״Schach bei den Juden“ 1878).

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