Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Purim und Parodie
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 181 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Purim und Parodie. 181 mones“) gestaltete sich so, dass der Arme an den Reichen eine Kleinigkeit an Werte, z. B. im Norden eine Apfelsine, schickte und dafür einen kleineren oder grösseren Geldbetrag erhielt, so dass der Purimzettel eines reichen Mannes in einer grösseren Gemeinde sich mit der so vielfach beklagten Armentaxe der Engländer wohl messen könnte. Als Purimgeschenk erscheint auch hie und da die Widmung eines Buches (vgl. M. A. Pua, 1. c. 30 b). Zu den auffallendsten Licenzen des Festes gehört die Maskerade, welche wohl im Orient , nicht eingeführt ward, wahrscheinlich im italienischen Carneval ihr Muster fand und aus Italien nach dem Norden kam. M. A. Fua (f. 30 b. מנהג שנתייסר מקודם ומקרוב ביותר בלבישת ה פר צו פ י ן) •citirt als älteste Autorität Jehuda Minz (in Venedig gest. 1508) bei Moses Isserls zu Josef Karo I, K. 696. Die Verkleidung in ein Gewand des anderen Geschlechts verstösst .geradezu gegen ein unzweideutiges Verbot des Pentateuchs1) und wurde daher von Egorosen Autoritäten gemissbilligt. Aelter als die Maskerade ist vielleicht die dramatische Darstellung der Geschichte Esther, obwohl mir keine ältere schriftliche Darstellung bekannt ist, wie ja überhaupt das Drama bekanntlich erst in neuerer Zeit in die jüdische Litteratur gedrungen ist, und zwar überwiegend in jüdisch-deutscher Sprache (s. unter IV). Das Drama Esther gab wahrscheinlich erst den Anstoss zu dramatisclien Versuchen über andere biblische Themata. Sonderbar erscheint es, wenn Lampronti, 1. c. f. 13, den Besuch von Theatern am Purim von jenen Spielen ableitet.. An Purimverkleidlungen, mit oder ohne Maske, beteiligien sich lebhaft die T a 1 m u d j ü n g e r (בחורים), welche, entweder einzeln oder' in kleinen Gruppen, einen meist parodirenden Vortrag (פורים דרשה) hielten, ein Gedicht declamirten, ein Lied sangen, ohne einen Labetrunk zum Festkuchen (vorzugsweise in Form von ״Kindchen“ in gewissen Gegenden), oder eine klingende Gabe zu verschmähen. Mitunter vereinigten sich grössere Gruppen solcher Bachurim zu dharaktermasken mit einer entsprechenden Aufführung ohne allen Zusammenhang mit dem Feste. Nach mehr als 70 Jahren schwebt mir noch lebhaft das Bild einer Gruppe vor ,׳- l) Deut. 22, 5; w&lirscheinlich gegen die Anwendung im heidnisehen Cultus; s. Maimonddes, More III, 37, u. Munks Note zur franz. Uebersetz. p. 285.