Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Purim und Parodie
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 180 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jgO Purim und Parodie, sonst strenger als die durch gefallene lex Heinze — weniger ans'tössig:wurden. In Bezug auf Empfindlichkeit für unanständige; Ausdrücke findet sich bei den Juden seit ältester Zeit auf der einen Seite die peinlichste Euphemie, auf der ande~ ren — wo es sich um Belehrung handelt,— die weiteste An־ Wendung von ,,naturalia non sunt tyrpia*“ Nahm man doclr keinen Anstand, unreife Knaben über ,נידד oder בלאה zu belehren. Parodie und Humor fanden ihren Weg in die Litt eratur zwischen Andacht und ernster Betrachtung, aber im Leben bedurften sie eines geeigneten Zeitpunktes auch im jüdischen Mittelalter, im Orient wie im Occident, und das war das Purimfest, vielleicht nicht ohne Einfluss der Ländessitte, worüber erst eine Studie über die Geschichte dieses Festes Aufschluss geben kann, während in neuerer Zeit nur christliche Gelehrte über I^rSpr1mg und Namen von Purim in Verbindung mit der höheren Kritik über das Buch Esther Forschungen an gestellt) auch seltsame Hypothesen aufgestellt haben, die ich — dahingestellt sein lasse,, wie ich auch nicht beabsichtige, die gesetzliche (halachische) Litteratur über die Feier zu behandeln 1). Aus dem Charakter des Festes lässt sich vielleicht die• engere Verbindung mit Scherz, Spiel und Heiterkeit, ja selbst Trunkenheit ableiten. Purim ist ursprünglich nur ein Tag, mit welchem eigentlich keine andere Verpflichtung verbunden ist, als das Buch Esther zu lesen, sich zu freuen, und ein Festmahl abzuhalten, bei welchem der Trunk eine Hauptrolle spielt — ein Festmahl heisst ja משתה, Trunk, dann Mahl überhaupt. Trinken wird auch in ernsten Liederii empfohlen; eine alte Vorschrift lautet: ״man trinke so lange, bis man nicht unterscheidet zwischen ״verflucht sei Haman!“ und ״gesegnet sei Mordechai!“ 2) Daher das Sprichwort ein ungewöhnliches Verhalten bezeichnet: ״das gaDze Jahr scbikkor (שכור, betrunken), Purim nüchtern/1 Aber auch die Wohlthätigkeit gesellte sich in recht zarter Weise zum eigenen Wohlbehagen. Die im Buche Esther erwähnte Sitte der gegen's eiti gen. Beschenk ung (מנות mW, im Jüdischdeutschen ״Schlach- ג) Verschiedenes aus dieser Literatur weist Lampronti’s alp habetische Sammlung unter פורים (Eyck!871, f. 12 b) nach. Anderes findet sich in Mos. Ahron Pua’s ,אורד. ושמהד, s. untei I, 1. 2) Beide hebr. Wörter in den 2 Sätzen geben an Buchstabenzahlen־• wert 502.