Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Purim und Parodie
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 179 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Purim und Parodie.!79 'digfcw verbrochen, als der dortige Tempel eingerichtet wurde; sie blieb unedirt. Es wäre also eine Untersuchung der Gegenstände von keinem besonderen Interesse, wenn nicht ׳die Feier des Fastens Esther und des Purimfestes selber mitunter als Gegenstand der Parodie in Darstellungen des Inhalts des Buches Esther, von Gebeten, Gesängen, ja selbst eines talmudischen Tractats hervorzuheben wäre. Eine parodistische מסכת פורים reicht in die ersten Jahrzehnte des XIV. .Jabrh. hinauf und ist — horribile dictu — in eine Sammlung heiliger Gesänge gedrungen (ms. Bodl 1180)*), wie überhaupt der Orient bis in späte Zeit keinen Anstand nahm, in poetische und selbst liturgische Sammlungen auch Profanes aufzunehmen. Ein buntes Bild bieten die Sammlungen, weiche die Dichtungen des in Jemen gefeierten Poeten und Reimers Schalom Schibzi und vieler Anderer im XVII. Jalirh. enthalten, abgesehen von älteren Bestandteilen. Neben eigentliehen Hymnen in hebräischer oder arabischer Sprache fnden sich poetische Episteln an bestimmte Personen und deren Antwort, Elegieen auf 1Verstorbene, Schilderungen von eigenen Erlebnissen nnd Kenntnissen, Heranziehung von Mysterien der Kabbala, eine grosse Anzahl Lieder an Bräuti-;game und Bräute, auch solche, welche mit Liebeserklärungen beginnen, die sich in Allegori.een aufiösen: die verherrlichte Schöne ist . meistens die Gemeinde Israels. Es findet sich da aber auch ein anonymes Gedicht, beginnend : ¬צביית הן לבנה כלבנה, worin in der That eine Schönheit mit ihren Reizen in überschwenglicher Weise gepriesen wird , ohne dass eine allegorische Anwendung angedeutet wäre; der Schlussvers parodzrt Deut. 4, 15; ואם תאמרו הכי מה ראיתם ״ .דעל כי לא ראיתם כל תמונהWenn ihr aber meint: Hat man dergleichen je gesehen? Wisset denn, ihr habet niemals eine (schöne) Form gesehen!“־ Die eben berührte Allegorie oder allegorische Auffassung der Bibel ist im Grunde eine umgekehrte Parodie, und .zwar die einfachste und bequemste, indem man dem Texte selber .«inen anderen Gegenstand unterschiebt, und das hat man schon in alter Zeit gethan, indem man dem Hohelied, diesem Cyklus von Idyllen, eine Beziehung auf Gott und Israel unterschob, wodurch .selbst körperliche Schilderungen der jüdischen Züchtigkeit — ג) Ueber die LectÜJö von מסכת פורים und מם׳ שכורים (sonst un- .bekannt) s. Moses Ahron Fua, אורד. ושמחה f. 31. 12*