Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 178

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Purim und Parodie
Date
1902-03-01
Page
Seite 178 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829760-2829763-2883793--31291-2883892
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

178 Purim und Parodie. aber sehr bitteren Ernst aussprechen, wenn er auch meist eine gewisse Heiterke it bekundet, welche aus der subjectiven Ruhe und Ungestörtheit des Gemütes hervorgeht. Dabei fällt mir eine sprachliche Erörterung mit zwei modernen hebräischen Journalisten ein. Der eine hatte in einem Artikel von mir gesagt, ich hätte etwas בכובד ראש besprochen, was ich als Kopfschmerz oder dergl. auffasste, so dass ich mein Befremden nicht unterdrücken konnte, als er mir erklärte, es bedeute ״mit Ernsta, im Gegensatz zu קלות ראש ״Leichtfertigkeit“ u. dergl. Darauf bemerkte ich, es sei mir kein hebräischer mit ״Ernst“ gleichwertiger Ausdruck bekannt. Hierauf erwiderte der Andere, es wäre sehr auffallend, wenn ein so ernstes Yolk, wie Hebräer und Juden, keinen Ausdruck für Ernst haben sollten. Ich meinte dagegen, gerade einem solchen Charakter genügen Ausdrücke des Gegensatzes, wie שחוק für Scherz, ursprünglich צחוק Gelächter. Nach kurzer Zeit rechtfertigte der erste seine Auffassung, in einem Schreiben an mich, durch die Stelle in der Mischna Berachot f. 80 b אין עומדין להתפלל אלא מתוך כבד ראש als Gegensatz von קלות ראש♦ Der Ausdruck hat schon ältere Erklärer beschäftigt (s. Kohut, Aruch IV, 183), Was soll man sich aber bei einem Spruche denken, der etwa lauten würde : ״Man stehe nur auf zum Gebete aus Ernst!“ Etwa aus einer ernsten Stimmung? Jedenfalls ist es auch für Zukunftshebräisch״ nicht rathsam, zweifelhafte oder schwer zu erratende Ausdrücke für moderne Begriffe anzuwenden, wenn auch ältere Uebersetzer sich Aehnliches erlaubten, weil ״die Begriffe sich einstellten und das Wort fehlte“ (wo sonst Begriffe fehlen, stellt ein Wort sich ein); ja, es fehlt nicht an Beispielen in der Geschichte der Sprache, dass auch eine jetzt bestrittene Exegese mitgewirkt hat, wie z. B. in כהר für Globus (Jes. 22, 18) das כ als Conj. ״wie“ betrachtet wird. Sollten wir hier vom Thema etwas abgewichen sein, so nehmen wir das Privilegium einer פורים דרשה in Anspruch und kehren um. Die Parodie ist die Entlehnung einer Form und ihre Uebertragung auf einen anderen Gegenstand, welcher für das Wesen der Parodie ganz gleichmütig ist. In der That bat es Parodieen für alle möglichen Gegenstände gegeben : bekannt war am Beginn des XIX. Jahrh. eine Parodie von Schi 11 er’s Glocke, ״Der Scholet“ f;die Sabbatspeise, vom italien. scaldato); ich selber habe in meinen Studienjahren in Prag (1833—36) eine Parodie der Glocke auf ״Die Pre-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.