Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Purim und Parodie
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 177 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829760-2829763-2883793--31290-2883891- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Purim und Parodie. 177 deren Originale wir nicht mehr kennen. Die Echtheit des hebräischen Ben Sira ist mehr als zweifelhaft geworden. Die ״prophetischen" Bücher des Abraham Abulafia (1290) gehören nicht hierher, sondern in die Geschichte der Geistes- Störungen. Im Gebrauch der aus der Litteratur hervorgehenden Sprache selbst lag schon der Keim zu parodistiseher An- Wendung, zunächst im sogenannten Musivstil, d. h. der Zusammensetzung von ganzen Briefen, Aufsätzen aller Art aus lauter biblischen Phrasen, womöglich mit Uebergängen, welche an musikalische Potpourris oder Quodlibets gemahnen. Meisterhaftes hat in dieser Carricaturgattung der berühmte Prager Rabbiner David Oppenheim geleistet, allerdings nicht im biblischen Purismus, sondern in Herbeiziehung jeder im 18. Jahrh♦ üblichen Phrase, deren Ende bereits den Anfang einer anderen bildet. In ähnlicher Weise emstand der frivole קדוש״ vom ganzen Jahr“, vielleicht noch nirgends gedruckt, mir nur aus den Unterhaltungen der ישיבה erinnerlich, in welchem der Witz auch vor Frivolitäten nicht zurückschreckte — wie der jüdische Cymbelmann auf seinem Draht den בחור mit der שיקצה aussteckte, um sie tanzen zu lassem In jenem Kiddusch heisst es z. B.; כן יעזוב איש hv וחומר באשת חברו bp 1אביו ואמו ודבר! באשתו, באשתו אמרו) Eine ähnliche Art von Parodie ist es, wenn Alcharisi (S. 136, deutsch in meinem ״Manna״ S. 67) und sein witziger Nachahmer Immanuel b. Salomo eine B,eihe von Fragen durch Bibelsprüche beantworten lassen, wie z. B. bei Letzterem: ״Was sagst du von der Musik der Nazaräer? — Gestohlen bin ich aus dem Lande der Ebräer.״ Erweitert wurde in Europa das Gebiet d?es Witzes, namentlich des Wortspiels, durch die Anwendung der Landessprachen, in welchen wiederum Hebräisches mehr als gleiches Bürgerrecht erhielt. Doch ist dies ein besonderes Litteraturgebiet, welches an einem anderen Orte besprochen wird. Der Humor ist aber eine psychologische Erscheinung und muss auch in seinen litterarischen Aeusserungen von dieser Seite aus betrachtet werden. Wir sind zu leicht verleitet, Witz und Humor als Gegensätze von Ernst, als Synonyma von Scherz und Spiel anzusehen. Der Humor kann ג) Ein ähnliches Bits eispiel erwähnt A. Berliner 1. ieitando. Ein modernes Pfandspiel besteht darin, dass zu einem Worte ein anderes als Grundwort und so fort angegeben werde. Monatsschrift, 46. Jahrgang. 12