Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 139 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829760-2829763-2883788--31242-2883853- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. 139 dessen späteren Auftreten jede äussere Einwirkung, ja jede stärkere innere Entwicklung ablehnen zu dürfen. El• hält es für ebenso unwahrscheinlich, dass Jesus durch die Schulen der Rabbinen gegangen sei, wie dass er zu den Essäern, einer mönchsähnlichen jüdischen Secte, der sein Yorgänger, Johannes der Täufer, angehörte, und der auch Jesus ־vielfach zugewiesen wird, Beziehungen gehabt habe, oder dass er von griechischer Geistesbildung beeinflusst worden sei (S. 21). Fertig und abgeschlossen steht er ihm auf einmal auf, wie ein Quell, der aus den Tiefen der Erde klar und ungehemmt hervorbricht. ״Er lebte in der Religion, und sie war ihm Atmen in der Furcht Gottes; sein ganzes Leben, all sein Fühlen und Denken, war in das Yerhältniss zu Gott aufgenommen“. So beginnt Harn ack seine Schilderung des Lebens und Wirkens Jesu (S♦ 28), und mit diesen ersten Worten bereits nennt er uns, halb unbewusst, die Atmosphäre, in der Jesus lebte/ Das war die ganze damalige, aus den Gedanken und Gefühlen der heiligen Schrift schöpfende Geistesrichtung seines Yolkes. Die Worte ״vomAtmen in der Furcht Gottes“ sind entnommen der Yerkündigung des Propheten Jesaias (c. 11, 1—3) von einem Messias, einem Gesalbten aus dem Hause Davids, auf dem ruhen wird der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und der Ern sicht, der Geist des Rathes und der Slärke, der Geist der Erkenntniss und der Gottesfurcht, und sind eine schöne Übersetzung von והריהו ביראת ד׳• Die Wirksamkeit, die Lehren und Ziele der Propheten sind die absolute Yoraussetzungdes Auftretensunddes ganzen Erfolges Jesu. Ihre Thätigkeit war ihm Vorbild, ihre Verheissungen wollte er erfüllen, und eine Reihe von theils gleichgiltigen, theils unglaublichen Dingen haben seine Anhänger nach seinem Tode erzählt, damit prophetische Worte als durch ihn erfüllt erscheinen. Und seine Lehren sind so sehr ein Ausfluss der altprophetischen Lehren, dass Renan1) erklärte, ״dass das Christenthum eigentlich im VIII. Jahrh. vor Jes. Chr. beginne, zu der Zeit, da die grossen Propheten über das Volk Israel 1j Im VII. (Schlussbanlie) seiner histoire des nigines du Christianisme. (Befave V.)