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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 136

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-03-01
Page
Seite 136 (sequence 18)
Language
German
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136 Bie Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. geleitet, durch die Bischöfe und die Scharen der Priester und Mönche ihre Herrschaft ausübte. (S. 159). Diese Hierarcbie hat das grosse Verdienst, die romanischen und germanischen Wationen erzogen und ihnen die christliche Cultur gebracht zu haben. Aber um sie zu gewinnen, hat sie auch vielfach deren heidnische Anschauungen einfach übernommen und ihnen nur christliche Warnen gegeben (S. 126), ״ein Heiligendienst entsteht, geradezu eine christliche Religion niederer Ordnung״, ein ״apostolisch-römischer Polytheismus״, wie Harnack (S. 167) sagt. Der Priester ist der Inhaber einer besondern heiligen Kraft, der Spender der Sacramente und Gnadengaben, er vermag zu binden und zu lösen, durch Thaten und Worte von der schwersten Sünde zu befreien und die Seligkeit zu gewähren. Die Unterwerfung unter ihn ist ein Hauptgebot. In der Beurtkeilung und der Lösung der Sünden zeigt sich vielfach eine überraschende Laxheit, es sei nur an den Ablasshandel erinnert. Die volle Erfüllung der Forderungen des Evangeliums erscheint nur einem geweihten Stande, dem der Priester, der Mönche und Wonnen möglich. Die Durchführung dieser Forderungen führt einerseits zu den schwersten Opfern, zur Verleugnung und Abtötung der natürlichsten Empfiudungen, sie versagt in weitem Umfange vollständig und gewährt einer grossen Anzahl von Personen eine Fülle von Macht und von Vortheilen ohne jegliches Verdienst, ja zum Schaden der öffentlichen Wohlfahrt. Die Empörung über die hierdurch geschaffenen Zustände, führte zu heftigen Kämpfen innerhalb der Kirche zur Bildung neuer Secten, die blutig unterdrückt wurden, bis endlich die von Luther, Zwingli und Calvin begonnene Reformation, sich siegreich zum Durchbruche bringt. Auch diese grosse religiöse Bewegung hatte ihren Weg vielfach gefunden durch staatliche Macht und im Anschlüsse an politische Parteien, insbesondere durch die Säcularisation der reichen Klöster und Bisthümer. Die evangelischen Kirchen sind bald Landeskirchen geworden mit dem Landesherrn als oberstem Bischof, die evangelische Freiheit galt nur für die hohen Herren, die Stände; für die Unterthanen galt der Satz : cujus est regio, illius est religio, d. h. der Landesherr hat zu bestimmen, welche Religion sie bekennen sollen. Das äussere Bekennt.niss, ganz ohne Rücksicht auf den innern Glauben, spielt auch heute noch in christlichen Staaten eine entscheidende Rolle.

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