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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 133

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-03-01
Page
Seite 133 (sequence 15)
Language
German
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Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christottthums. 133 Jesus gewandt hat, in seiner ungeheueren Mehrzahl und ins* besondere in seinen Häuptern und Führern bei seinem Leben und nach seinem Tode ihm jeglichen Glauben versagt hat, dass selbst von seinen nächsten Anhängern, den zwölf Jüngern, einer ihn verrathen und ein Anderer, der zuerst von Allen seine Messianität anerkannt hatte, ihn während seiner Leidens^ zeit dreimal verleugnet hat, während die übrigen flohen, und dass derjenige, der sein feurigster Apostel wurde, ihn im Leben nicht gekannt und erst nach seinem Tode durch eine wunderbare Erscheinung zum Glauben an ihn bekehrt wurde. Was in den Evangelien nach Jesu Tode berichtet wird, ist nichts als Wunder auf Wunder. Harnack lässt sie alle fallen. Aber er unterscheidet zwischen der 0 s t e r b 0 t s ch a f t, dass Jesus wirklich aus seinem Grabe verschwunden und dann in verklärter Gestalt seinen Jüngern erschienen sei und mit ihnen gesprochen habe, und dem 0 sterglaub en, d. h. ״dem Glauben an eine Ueberwindung des Todes und an ein ewiges Leben, das von jenem Grabe her seinen Ursprung genommen habe.tt(S. 102) — Dass dieser Glaube, der übrigens ja längst von der jüdischen Religion verkündigt wurde, durch den Glauben an die leibliche Auferstehung Jesu aus dem Grabe eine besondere Kraft erhielt, ist keine Frage, (vgl־ S. 145.) Aber gerade diese seine materielle Grundlage, und damit einen Eckstein im ganzen Glaubensgebäude des Christenthums, verwirft Harnack, indem er das Wunder der Auferstehung und den persönlichen Verkehr Jesu nach seinem Tode mit seinen Jüngern leugnet. Hier gilt zweifellos das Wort von Strauss : ״Es mag demüthigend sein für den menschlichen Stolz, aber es ist so: Jesus konnte all das Wahre und Gute, auch all dass Einseitige und Schroffe, das ja doch auf die Massen immer den stärksten Eindruck macht, gelehrt und im Leben bethätigt haben; gleichwohl würden seine Lehren wie einzelne Blätter im Winde verweht und zerstreut worden sein, wären diese Blätter nicht von dem Wahnglauben an seine Auferstehung als von einem derben, handfesten Einbande. zusammengefasst und dadurch erhalten worden.״ Wie dieser Glaube sieh bei den Jüngern gebildet hat, ob durch Deutungen aus der heiligen Schrift, wie Strauss meint,1) oder durch die Vision eines Jüngers, die sodann von x) a. a. 0. S. 46.

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