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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 132

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-03-01
Page
Seite 132 (sequence 14)
Language
German
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132 Di0 Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. Grundidee aller wirksamen Kräfte Gottes, auf Jesus übertragen haben. Diesen längst bestehenden Begriff hatte der jüdische Philosoph Philo unter andern Bildern auch den einzig geborenen Sohn Gottes genannt. Dieser Gedanke, immer weiter ausgebildet, gestaltete allmälig Jesus auch zum Sohne Gottes, insbesondere im Johannesevangelium C. 1, 1 f. : ״Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. v. 14. ״Dnd das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und AVahrheit״. Diese Jesus immer mehr vergöttlichende Anschauung drang sodann auch in die älteren, der ursprünglich "jüdischen Auffassung näherstehenden Berichte ein, gestaltete sie um und erzeugte aus den Bildern auch neue Mythen und neue Lehren. H a r n a ck aber, der so vieles von diesen fallen lässt, mag der verführerische Schein dämonischer Grösse, der Jesus mit diesem Worte ״Sohn Gottes״ umgab, veranlasst haben, es aufrecht zu erhalten, aber ihm eine psychologische Erklärung zu geben, die der Mensch Jesus nicht vertragen kann, eine Krone, deren Gewicht ihn zu Boden drückt. Dagegen hält er (S. 82ff.) sicherlich mit Beeilt, gegen Wellhausen und andere Gelehrte, den Bericht der Evangelien aufrecht, dass Jesus sich selbst als den Messias erklärt habe. Diese Annahme erklärt allein den Ausgang der Geschichte von Jesus, seine Hinrichtung, den Glauben an seine Auferstehung. Dieser Glaube hat der neuen Eeligion ihren Hamen gegeben, und er blieb in den judenchristlichen Kreisen die herrschende Anschauung von Jesus, diejenige, welche sie fast allein von den übrigen Juden unterschied. Sicherlieh muss Jesus, um solchen Glauben finden zu können, eine grosse, seine Anhänger mächtig ergreifende Erscheinung gewesen sein. Aber H a r n a c k geht zu weit, wenn er sagt: ״Wo hat sich in der Geschichte der Menschheit etwas Aehnlich.es ereignet, dass die, welche mit ihrem Meister gegessen und getrunken und ihn in den Zügen seiner Menschlichkeit gesehen haben, ihn nicht nnr verkündigten als den grossen Propheten und Offenbarer Gottes, sondern als den göttlichen Lenker der Geschichte, als ״den Anfang der Schöpfung Gottes und als die innere Kraft eines neuen Lebens? So haben Muhammed’s Jünger von ihrem Propheten nicht geredet.״ Dem gegenüber ist doch darauf hinzuweisen, dass sein Volk, an das sich

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