Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 131 (sequence 13)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christentliums. 131 'hat.“ ״Aus diesem Kraftgefühl heraus und im Ausblick auf den Sieg hat er das Wort gesprochen: ״Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Yate1\tt So wörtlich Ha mack. Was er sagt, passt auf ein göttliches Wesen. Auf einen Menschen, einen wirklichen, natürliehen Menschen angewendet, wie Jesus nach Harnack’s Auffassung doch ist (S. 80.), wird es einfach unbegreiflich. So hat nicht nur kein Moses und kein Jesaias, sondern auch kein Buddha und kein Mohammed je gesprochen. Auch die Propheten Israels wussten sich aLs Boten Gottes, als Yerkünder von dessen Lehren. Aber ihre Persönlichkeit trat hinter ihre Botschaft durchaus zurück. Bei Jesus allerdings tritt dieses Ich überall mit aller Entschiedenheit vor, aber vergebens suchen wir in der begeisterten Darstellung Harnack's von seinen Lehren und Thaten etwas, was einen solchen Anspruch irgendwie rechtfertigen könnte. Und wenn ein solcher vorhanden wäre, könnte diese Lehre nicht in einer Form ausgesprochen werden, in der Gott allein die Ehre gegeben würde? Und wie hat dieses Wort gewirkt? Es hat dem Christenthum den reinen Monotlieismus genommen und ihm die Dreifaltigkeit gegeben, es hat die blutigsten Sectenstreitigkeiten entzündet. Doch lassen wir auch hier wieder Harnack reden : ״Um einer Nuance wallen — damit weist er hin auf den langjährigen blutigen Streit, ob Gott der Sohn Gott dem Vater wesensgleich oder nur ähnlich sei — kündigte man sich hier die brüderliche Gemeinschaft und sind Tausende geschmäht, verworfen, in Ketten gelegt und hingemordet worden. Es ist eine schaurige Geschichte, Auf dem Boden der ״Christologie“ haben die Menschen ihre religiösen Lehren zu furchtbaren Waffen geschmiedet und Furcht und Schrecken verbreitet. Diese Haltung dauert noch immer fort: die Christologie wird behandelt, als böte das Evangelium keine andere Frage, und der Fanatismus, der sie begleitet, ist auch heute noch lebendig.“ (S. 79). Es hat aber viel Wahrscheinlichkeit für sich, dass die Bezeichnung Jesu als des ״Sohnes Gottes“ erst später entstanden ist. Harnack selbst berichtet (S. 127) in Uebereinstimmung mit andern Gelehrten, dass seit dem Anfänge des zweiten Jahrhunderts Anhänger Jesu, -die von griechisch - philosophischer Bildung durclidrungen waren, einen Begriff derselben, den Logos, die 9*