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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 130

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-03-01
Page
Seite 130 (sequence 12)
Language
German
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130 Di© Vorlesungen Harnacks über da3 Wesen des Cliristentbums. dem uns den Eindruck, den er auf seine Jünger gemacht hat und den sie fortgepflanzt haben“. Sehen wir auch hier zunächst von der Predigt ab, so bleibt nach Harnack sehr wenig Fassbares von der Persönlichkeit Jesu übrig, und dieses Wenige bietet ihm nur Yerlegenheiten. Er formulirt (S. 71) die Frage selbst also : ״Welche Stellung hat Jesus sich selbst, indem er das Evangeliurn verkündete, zu dieser seiner Botschaft gegeben, und wie wollte er selbst aufgenommen sein § Die Antwort findet er in den beiden Selbstbezeichnungen Jesu als Sohn Gottes und als Messias (Davidssohn, Menschensohn). (S. 80). Harnack’s Auffassung vom ״Sohne Gottes“ wird am besten mit seinen eigenen Worten wiedergegeben. (S. 81): ״Jesus hat es uns in einer seiner Reden besonders deutlich gemacht, warum und in welchem Sinne er sich den Sohn Gottes genannt hat. Bei Matthäus, 10, 28, nicht etwa bei Johannes, steht das Wort: ״Niemand kennet den Sohn, denn nur der Vater, und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem der Sohn es will offenbaren.“ Die Gotteserkenntniss ist die Sphäre der Gottessohnschaft Eben in dieser Gotteserkenntniss hat er das heilige Wesen welches Himmel und Erde regiert, als Vater, als seinen Vater kennen gelernt. Sein Bewusstsein, der Sohn Gottes zu sein, ist darum nichts anderes, als die praktische Folge , der Erkenntniss Gottes als des Vaters und als seines Vaters. Recht verstanden ist die Gotteserkenntniss der ganze Inhalt des Sohnesnamens. Aber ein Doppeltes ist hinzuzufügen : Jesus ist überzeugt, Gott so zu kennen, wie keiner vor ihm, und er weiss, dass er den Beruf hat, allen andern diese Gotteserkenntniss — und damit die Gotteskindschaft — durch Wort und That mitzutheilen. In diesem Bewusstsein weiss er sich als der berufene und von Gott eingesetzte Sohn, als der Sohn Gottes, und darum kann er sprechen; mein Gott und mein Vater, und er legt in diese Anrufung etwas hinein, was nur ihm znsteht, Wie er zu diesem Bewusstsein der Einzigartigkeit seines Sohnesverhältnisses gekommen ist, wie er zu dem Bewusstsein seiner Kraft gelangt ist, und der Verpflichtung und Aufgabe, die in dieser Kraft liegen, das ist sein Geheimniss, und keine Psychologie wird es erforschen (S. 82). ״Wir müssen uns begnügen, festzustellen, dass dieser Jesus, die Selbsterkenntnis und Demuth gelehrt, doch sich, nur sich allein, den Sohn Gottes genannt

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