Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 129 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829760-2829763-2883788--31232-2883843- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christeattmms. 129 1 st von ihm eingesetzt mit den Worten (Ev׳. Marc. 16, 16.) r ״wer glaubt und getauft wird, der wird selig; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ Das Abendmahl hat er eingesetzt zur Feier seines Todes, als eines Opfertodes für die Sünden, durch welchen ein neuer Bund zwischen Gott und den Menschen, der vollkommene Bund der Sünderverge״ bung und Gottgemeinschaft geschlossen wird. Matth. 26, 26 ff. Vom Brode sprach er: ״nehmet, esset, das i.st mein Leib“ Joh. 6, 51 ff. Yom Kelche: ״Trinket Alle daraus, das ist mein Blut des neuen Testamentes, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ Und das Haupt und Grundsymbol des Chrisfcenthums ist das Kreuz, von der katholischen Kirche in den mannigfachsten Bildern zur Dar- Stellung gebracht, und auch von den evangelischen auf ihren Altären aufgestellt. Es ist ausserordentlich interessant, zu verfolgen, wie Harnack sich mit diesen Berichten des Evangeliums und mit den Thatsachen des kirchlichen Lebens abzufinden sucht. Als Quellen für die Verkündigung Jesu bezeichnet er fast ausschliesslich die drei ersten Evangelien. Yom vierten sagt er (S. 13) : ״Der Verfasser hat mit souverainer Freiheit gewaltet, Begebenheiten umgestellt und in ein fremdes Licht gerückt, die Reden selbstthätig componiert und hohe Gedanken durch erdachte Situationen illustriert.“ Aber auch die drei ersten Evangelien seien nicht ״Geschichtswerke, geschrieben, um einfach zu berichten, wie es wirklich gewesen, sondern um Glauben an die Person und Mission J. Chr. zu erreichen“ (S. 14). Dieser Absicht dienen auch ihre zahlreichen Wunderberichte, die entweder Steigerungen natürlieh er Vorgänge sind, oder aus Reden und Gleichnissen, entstanden sind, oder aus der Projection innerer Vorgänge in die Aussen weit, oder aus dem Interesse, alttestam entliehe Berichte erfüllt zusehen, in einzelnen Fällen auch wirkliche, von der geistigen Kraft Jesu gewirkte, überraschende Heilungen darstellen.“ (S. 19). Sie machten jedenfalls die Evangelien nicht unglaubwürdig und seien etwas Gleichgiltiges gegenüber allem Anderen, was sie berichten. Sind demnach auch ihre Berichte über die Vorgeschichte und die ersten dreisig Jahre des Lebens Jesu fallen zu lassen, so geben sie doch über drei wichtige Punkte Aufschluss (S. 20) : ״sie bieten ein anschauliches Bild von der Predigt Jesu., berichten den Ausgang seines Lebens im Dienste seines Berufes und schil- Monatsschrift, 46. Jahrgang. 9