Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 128 (sequence 10)
- Language
- German
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128 Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. Geborene werde Gottes Sohn genannt werden. Engel verkünden sodann den Hirten auf dem Felde seine Geburt. Weise aus den! Morgenlande fragen nach dem neugeborenen Könige von Israel und, einem Sterne folgend, kommen sie nach Bethlehem zu seiner Anbetung. Als zwölfjähriges Kind wird Jesus bereits bei seinem Erscheinen im Tempel als Heiland gepriesen, bei seiner Taufe durch Johannes thut sich der Himmel auf, der heilige Geist in Gestalt einer Taube erscheint über ihm und eine Stimme vom Himmel erschallt, ״das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“. Seine Thätigkeit beginnt mit einem Wunder, der Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit von Kana, und seine ganze Wirksamkeit begleitet und bezeugt eine Fülle von Wundern. Er macht Lahme und Gichtbrüchige wieder gehen, Blinde sehen, erweckt Verstorbene wieder zum Leben, wandelt auf dem See Genezareth neben dem Schiffe, speist fünftausend Mann mit fünf Broden und zwei Fischen, und zwölf Körbe mit Broden bleiben noch übrig. Insbesondere häufig aber heilt er Besessene, treibt aus ihnen die Teufel aus. Seine Reden sind von hohem Selbstgefühle erfüllt, er bezeichnet sich als Gottes Sohn, alls den König von Israel und den verheissenen Messias, verkündigt voraus, dass er würde getödtet und am dritten Tage wieder auferstehen und sodann nach einer kurzen Zeit der Trübsal in seiner Herrlichkeit erscheineu, umgeben von Engeln, und die Menschen richten werde, die Einen zum ewigen Leben, die Andern zur ewigen Pein. Die Evangelien berichten übereinstimmend, wie diese Worte sich erfüllt haben und mit besonderem Nachdrucke, wie er aus dem Grabe, das versiegelt worden war, wieder auferstanden, unter seine Jüugen getreten sei, mit ihnen gegessen habe und vor ihren Augen zum Himmel aufgefahren sei. Diese wunderbaren Erzählungen bilden geradezu den Hauptinhalt des christlichen Cultus. Jesu Geburt feiert das Weihnachtsfest, und das Fest Epiphanias das Erscheinen der drei Könige vor der Krippe in Beth״ lehem. Der Charfreitag führt seinen Opfertod vor, den er zur Erlösung der Welt freiwillig erlitten; Ostern seine Auferstehung aus dem Grabe und sein lebendiges Treten unter die Jünger, der Himmelfahrtstag endlich seine Auf״ fahrt vor diesen, um sodann zur Rechten Gottes zu sitzen. Der Sonntag ist als Ruhetag eingesetzt worden, weil an diesem Tage Jesus von Grabe auferstanden ist. Die Taufe