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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 127

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-03-01
Page
Seite 127 (sequence 9)
Language
German
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Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums.!27 Predigt. (S. 6.) Diese Aufgabe will Harnack als Historiker und nicht als Apologet erfüllen, (S. 4.) Das ist eine für einen Theologen, oder sagen wir lieber, für einen Mann, der mit voller Begeisterung auf seinen Gegenstand blickt und die gleiche Empfindung für ihn erwecken will, schwer zu erfüllende Aufgabe. Und Harnack hat sie auch nicht erfüllt. ״Christus und sein Evangelium“ stehen im vollsten Lichte vor seinem Auge. Von dieser Anschauung geht er einfach aus, und seine geschichtlichen Darlegungen haben nur den Zweck, alle Schatten von seinem Lichtbilde zu entfernen und sie der Zeit, der Umgebung, den .Verhältnissen, unter denen das Christenthum im Gange seiner Ent- Wickelung zu wirken hatte, zuzuweisen. Dieser apologetische Zw7eck bestimmt auch den Aufbau seiner Vorlesungen. Er spricht zuerst von der Predigt, d. h. dem Lebenswerke Jesu und dann erst von seiner Persönlichkeit, weil jene eben den Goldgrund bildet, der auch das Lebensbild, die ganze menschliehe Erscheinung desselben erklärt. ־Wir .werden bei unserer Beurtheilung des Buches das umgekehrte Verhalten einzuschlagen haben, und wir befinden uns dabei in Uebereinstimmung mit dem, was nach allgemeiner Meinung, in Wirklichkeit das״ Wesen des Christenthums ausmacht, was sich schon in seinem Namen ausspricht. Wie keine andere Eeligion, auch der Islam nicht, ruht das Christenthum auf der Person und den Schicksalen seines Stifters. Das tritt uns ganz besonders entgegen bei einer Vergleichung mit Moses. Dieser ist durchweg der Knecht Gottes, der Führer und Lehrer Israels. Auch er wird als ein irrender, fehlender Mensch uns dargestellt, er muss daher die Führung, noch bevor er das letzte Ziel seiner Wünsche erreicht hat, aufgeben und stirbt einsam auf einer Höhe nach einem letzten Blicke auf das künftige Heimathland seines Volkes. Sein Grab aber hat Niemand erfahren. Es sollte, sagen unsere Weisen, nicht der todte Moses ein Gegenstand der Verehrung und sein Grab ein Ort für Wahlfahrten werden, sondern seine dem Volke übergebene Lehre sollte in belebender Kraft stets weiterwirken. Wie anders dagegen wird in den Evangelien die Erscheinnng Jesu uns dargestellt. Seine Geburt erfolgt auf wunderbare Weise. Engel verkünden einer Jungfrau, dass sie vom heiligen Geiste beschattet, und der von ihr

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