Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 126 (sequence 8)
- Language
- German
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126י1310 ז Vorlesimgen Harnacks über das Wesen des Cbri'stenthums. für religiöse Belehrung empfäuglicher. Mifc grösserem Eifer־ suchte man die Gemeinschaft mit den unteren, naturwüchsigen^‘ Ständen, und fand sie ganz besonders im gemeinsamen religiösen Glauben und in den christlichen Grundlagen des Staats- und Volkslebens. Die energische sociale Richtung, die in der staatlichen Gesetzgebung und Verwaltung, wie in einer mannigfaltigen freien Vereins- und privaten Hiifsthätigkeit zur Geltung kam, berief sich den Socialdemokraten gegenüber auf das biblische Gebot der Nächstenliebe und nannte sich und ihre Wirksamkeit dem entsprechend prakfcisches Christenthum. Diesen Erfolgen und diesem gesteigerten Ansehen des Christenthums gegenüber lässt sich aber trotzdem nicht verkeimen, dass die kritische Prüfung der eigentliehen Glaubenslehren nicht stille gestanden ist. Sie trat vor einiger Zeit erst wieder hervor, als einzelne Geistliche, von ihren Gemeinden unterstützt, sich weigerten, das oben angeführte apostolische Glaubensbekenntnis als das ihrige zu bekennen und in kirchlichen Gebrauch zu nehmen. Jn diesen verschiedenartigen Gedankenströmungen greifen die Vorlesungen Hamack’s ein, suchen die schwierigen Fragen zu lösen und das Wesen des Christenthums als von ihnen unberühit darzustellen und aufrechtzuerhalten• Harnack wendet sich gegen die, die behaupten, das ursprüngliche Christenthum habe dem Buddhismus nahegestanden, und seine Erhabenheit beruhe in dem Weltflucht und dem Pessimismus, wie gegen die, die es als eine optimistische Religion, als eine höhere Entwicklungsstufe des Judenthums auffassen * und gegen diejenigen, welche sagen, das Jüdische sei von dem Evangelium abgethan, es sei unter geheimnissvoll wirkenden griechischen Einflüssen entstanden; gegen die, die sagen, die Metaphysik, welche aus dem Evangelium sich entwickelt habe, sei sein eigentlicher Kern und gegen die, die behaupten, die Metaphysik sei ihm von aussen erst aufgedrängt worden, es sei die Religion der empfindenden und leidenden Menschheit, gegen die socialdemokratische Auffassung, nach der Christus ein Erlöser der schmachtenden unteren Klassen gewesen und schliesslich gegen diejenigen, welche verkündigen, die christliche Religion habe sich überlebt. Dem gegenüber will Harna'ck das ״Wesentliche“, d. h. das Werthvolle und Bleibende im Christenthum ermitteln. (S. 8.) Das ist ihm ״das Evangelium im Evangelium“ und er findet es in dor Person Jesu Christi und in seiner