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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-03-01 · Heft 3-4 (März 1902) · p. Seite 125

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 3-4 (März 1902)
Article
Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
Date
1902-03-01
Page
Seite 125 (sequence 7)
Language
German
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Die Vorlesungen Hariiacks über das Wesen des Christenthums. 125 die Lehre von einem Gott sich aus einanderlegen musste in die Lehre von der Dreifaltigkeit, sobald einmal die Tbatsache anerkannt wurde, dass der unsichtbare ewige Gott und Vater sichtbar erschienen sei und sich menschlich geofienbart habe in Jesu Christo, seinem Sohne, und dass er yon nun an auch in den Gläubigen wohne und wirke als Heiliger Geist. Darin lagdasEigenthümliche, darin der Kern der ganzen christlichenOffenbarung, und wir können uns daher auch nicht wundern, wenn die Theologie der Väter in der Ergriindung dieses göttlichen Liebesgeheimnisses sich erschöpfte. Hur das könneu wir bedauern, dass der menschliche Fürwitz oft mehr^^^^' j Antheil an solchen Forschungen hatte, als das reine Streben nach den rechten Heilserkenntniss.“ Aber trotz dieser Beschwichtigungen traten yieifach einzelne Geistliche wie ganze Gemeinden gegen diese Dogmen, insbesondere die Lehre von der Trinität aut, und es bildeten sich, insbesondere in den yierziger Jahren, verschiedene neue religiöse Gemeinschaften, wie die der Deutschkatholiken, Lichtfreunde, Freireligiösen. Alle bisherigen Kritiken der Evangelien, der Glaubenslehren des Christenthums und seiner ganzen seitherigen Entwickelung fasste endlich David Friedrich Strauss in seinem 1871 erschienenen Buche ״Der alte und der neue Glaube״ in kurzer und scharfer Form zusammen und beantwortete die danach zu stellende Frage ״Sind wir noch Christen?“ für sich und seine Gesinnungsgenossen mit einem runden Kein. Das Buch hat eine Reihe von Auflagen erlebt (bis 1895 deren 14); den mächtigen Widerhall in weiten Yolkskreisen aber, den der Yerfasser erwartet haben mochte, hat es nicht gefunden. Das verhinderte nicht nur der in jeder Beziehung ungenügende Ersatz, den er in seinem ״neuen Glauben“ bot, sondern seine ganze Unterschätzung des religiösen Gefühls^ wie des das Volksleben in seinen Tiefen durchdringenden kirchlichen Lebens. Diese Unterschätzung theilte mit ihm die ganze liberale Richtung seiner Zeit, und sie machte trotz der Entfaltung der staatlichen Machmittel in dem sogenannten Culturkampfe ein gründliches Fiasco. Neugestärkt ging die katholische Kirche aus demselben hervor, und auch die evangelische gewann neue Kraft. Die hoch entwickelte Bildung hatte die erwarteten Segnungen nicht gebracht, ein Bedürfniss nach grösserer Befriedigung des Gemüthes, wie nach strengeren sittlichen Forderungen, machte sich wieder geltend und machte die Herzen

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