Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 124 (sequence 6)
- Language
- German
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124 Bi© Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. dammniss befreit, welche nun an ihn und diese Wirkung seines Todes glauben. 4) Die Lehre von der Dreifaltigkeit Dieselbe ist in dem sogenannten apostolischen Symbolmru־ oder Glaubensbekenntniss, das jedoch erst im 4. Jahrhundert auf den Kirchen Versammlungen von Nicäa und Constantinopel (325 und 381) seine bestimmte Fassung erhielt, foigendermassen ausgesprochen: ״Ich glaube an einen Gott, den Allmächtigen, den Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Dinge^und an Jesum Christum, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau, gelitten hat unter Pontio Pilato, gekrcuziget, gestorben und begraben, ist abgefahren zur Höllen, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten, aufgefahren znm Himmel, sitzet zur Rechten Gottes, seines allmächtigen Täters, von wannen er wieder kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten, und ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.4‘ Bestimmter noch sagt das sögenannte athanasianische Bekenntniss : ״Der katholische Glaube ist, dass wir Einen Gott in der Dreiheit und die Dreiheit in der Einheit verehren, ohne weder die Personen zu vermischen, noch das Wesen zu theilen“1). Diese Lehren haben auch die Reformatoren beibehalten, noch Calvin liess den spanischen Arzt Michael Servet, der die Gottheit von Jesus geleugnet hatte, in Genf auf dem Scheiterhaufen verbrennen und selbst der milde Melanchthon sprach ihm dazu seine vollständige Zu- Stimmung aus. Diese Lehren irgendwie vei’stäDdlich zu machen, war das eifrige Bemühen der christlichen Theologen von den ersten Jahrhunderten an, und auch neuere Philosophen, wie Schelling und Hegel, haben sich noch bemüht, sie durch philosophische Begriffe umzudeuten. Alle diese Versuche sind als gescheitert zu betrachten und, selbst bei Festhaltung des Dogmas, wird der Versuch seiner Erklärung aufgegeben. So sagt einer der neuesten, auf liberalem Standpunkte stehenden^Kirchengeschichtschreiber, Hagenbach,2) ״Es lag in der Natur des christlichen Glaubens, dass 1) Vgl. ätrauss : ״Die christliche Glaubenslehre.“ 1.461 ff. Z ö ck 1 e r a. a. 0. S. 94 ff. 2) A. a. 0. S. 276.