Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 123 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. 123 dessen Lösung noch durch keinen seiner verschiedenen Bearbeiter zu eiuem befriedigenden Resultate..geführt hat. Zu diesen Schwierigkeiten treten die noch grösseren hinzu, welche die specifisch christlichen Dogmen oder Glaubenslehren dem modernen Bewusstsein bereiten* 1). Diese sind : 1) Die Annahme der Erbsünde, welche die Augsburgische Confession so bestimmt: ״nach Adam’s Fall werden alle natürlich erzeugte Menschen mit der Sünde geboren, d♦ h. ohne Gottesfurcht, ohne Gottvertrauen und mit der bösen Lust״; und diese Erbkrankheit, oder dieser Erbfehler sei in der That eine Sünde, die auch jetzt noch den ewigen Tod für alle diejenigen nach sich ziehe, die nicht durch die Taufe und den heiligen Geist wiedergeboren werden. 2) Mit dieser Lehre hängt zusammen der Glaube an den Teufel. Die verführerische Schlange des Paradieses war der Teufel. Dieser wirkt auch weiter als die Macht des Bösen, als eine Art Widergott, und der Täufling hatte daher früher die Entsagungsformel zu sprechen : ״ich sage dir ab, Satan, all deinen Werken und all deiner Kraft und all deinem Dienst״ und sodann : ״Dir, 0 Christus, sage ich mich zu2.״) Es ist bekannt, wie sehr insbesondere Luther von diesem Teufelsglauben beherrscht war und zu welchen entsetzlichen und blutigen Ausartungen derselbe in den Hexenprozessen geführt hat. 3) Die Lehre von der Erlösung. Diese erläuternd, bezeichnet der kleine Lutherische Katechismus Christus als denjenigen ״welcher mich verlorenen und verdammten Mensehen erlöst und von allen Sünden, dem Tod und der Gewalt des Satans frei gemacht hat; nicht durch Gold und Silber, sondern durch sein heiliges, theures Blut und sein unschuldiges Leiden und Sterben״. Durch die Erbsünde, wie durch die eigene Sünde haben also die Menschen die ewige Yer־ dammnis verdient. Da ist Jesus, der eingeborne Sohn Gottes, ins Mittel getreten, hat den Tod in seiner schmerzhaftesten Form auf sich genommen, Gottes Zorn, seiner strafender Gerechtigkeit Genüge gethan und durch dieses grosse Opfer alle diejenigen von der verdienten Strafe und ewigen Yer- 1j Vgl. D. Fr, Strauss : Der alte und der neue Glaube. 12. Auser. S. 15 ff. u, Zock ler, Handbuch der.theol. Wissenschaften III, 121 ff. *) Vgl. die Kirchengeschichte von Hagenbach, herausg. v. Kippold, I, S. 4SI.