Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829760-2829763-2883788--31224-2883835- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Vorlesungen Harnäcks über das Wesen des Christentliums. 121 That bedeutenden und zeitgeschichtlich hervorragenden, Buches unter ähnlichen Darstellungen näher zu bestimmen. Im Jahre 1799 erschienen die ״Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren *Verächtern“ von Friedrich Schleiermacher. Die Bezeichnung des Kreises von Hörern und Lesern, an den er sich wandte, gibt allein schon den Ursprung und das Ziel dieser Reden an. Die philosophische Aufklärungslitteratur des 18, Jahrh. in England, Frankreich und Deutschland hatte unter den Dogmen der christlichen Religion stark aufgeräumt, und sie hatte über weite Kreise, insbesondere über die oberen, die Herrschaft gewonnen. Von Voltaire ausgehend, war Spott über die Religion ein Kennzeichen der Bildung geworden. Dagegen wandte sich Schleiermacher und, indem er von jenen Dogmen Vieles preisgab, Anderes in seinem Inhalte verdünnte oder umdeutete, wies er auf das Gemüth als auf die wahre, unerschöpfiiche Quelle der Religion hin und suchte auch den Lehrinhalt des Christenthums aus den Bedürfnissen des.selben und aus dem Zeugnisses christlichen Bewustseins abzuleiten. Das geistvolle, mit hinreissender Beredsamkeit geschriebene Buch, übte seiner Zeit eine wahrhaft berauschende Wirkung aus; die zudringlichen Fragen‘ des Verstandes vermochte es jedoch nur kurze Zeit zurückzudrängen, aber nicht zu beantworten. Der historische Sinn, das Streben, eine jede Erscheinung in ihrem Ursprünge zu erforschen, in ihren Quellen zu prüfen, in ihrer geschichtlichen Ent- Wickelung zu erfassen, der sich im 19. Jahrh. mit besonderer Kraft geltend machte, drängte auch zu eingehenden Untersuc hungen der geschichtlichen Grundlagen des Christenthums und führte zunächst zu dem epochemachenden Buche von David Friedrich St rauss ״Das Leben JesuK (1835). Dasselbe ist eine kritische Beurtheilung der über Jesus und sein Wirken uns zugekommenen Berichte, die uns in vierfacher Abfassung in den vier Evangelien, vorliegen, und weist auf die vielfachen Unterschiede, ja crasseu Widersprüche, derselben hin. Die zahlreichen Wundergeschichten, von der Geburt Jesu bis zu seinem Tode, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, können unmöglich wirkliche Geschehnisse sein, aber auch aridere Erzählungen erscheinen; erdichtet, um wirkliche oder selbst missverstandene Verkündigungen der jüdischen Propheten von einem künftigen Messias, als im Leben von Jesus verwirklicht, darzustellen. Das und Das ist